Ölpest: Schwarze Flut vor Frankreichs Küste - DER SPIEGEL
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Ölpest Schwarze Flut vor Frankreichs Küste

Die Lage an Frankreichs Atlantikküste ist bedrohlich: Ein Teppich aus Millionen kleiner Ölklumpen nähert sich. Der Ölteppich ist noch größer als bisher vermutet und nur noch etwa 100 Kilometer von der Küste entfernt.
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Bordeaux/La Coruña - "Die kleinen Ölklumpen sind schon überall am Strand", sagte ein Sprecher der Region zwischen Arcachon und Biarritz. Aus den wertvollen Austernzuchtgebieten von Arcachon seien die ersten Ölfladen gefischt worden. Die Austernzüchter befürchten große Einbußen. Es gebe erste Abbestellungen, hieß es. Auch unter den Hoteliers der Region wächst die Besorgnis: Umweltministerin Roselyne Bachelot hatte darauf hingewiesen, dass eine größere Masse aus Ölklumpen am Wochenende bis zur Mündung der Gironde im Herzen der berühmten Weinbauregion Bordeaux vordringen könnte.

Die französische Regierung will 50 Millionen Euro Soforthilfe für die ersten Schäden durch die Ölpest bereitstellen, kündigte Premierminister Jean-Pierre Raffarin an. Frankreichs Präsident Jacques Chirac und die Regierung wollen unterdessen entschlossen gegen unlautere Geschäftspraktiken auf See vorgehen. Chirac prangerte die "zwielichtigen Geschäftsleute und Gauner des Meeres" an, die die derzeit unklaren Bestimmungen ausnutzten. Die Regierung kündigte eine offizielle Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft von Brest gegen Betreiber und Mannschaft des gesunkenen Tankers "Prestige" an. Der 67-jährige griechische Kapitän sitzt in Spanien in Haft.

Das American Bureau of Shipping, das die "Prestige" zuletzt im Mai 2002 kontrolliert hatte, erhob schwere Vorwürfe gegen die spanischen Behörden. Der Tanker sei nur auseinander gebrochen und gesunken, weil er auf das offene Meer geschleppt statt in einen Hafen gebracht worden war, sagte ein Sprecher der Klassifikationsgesellschaft dem Madrider Hörfunksender Ser. In einem Hafen oder einer geschützten Bucht hätte das Schweröl abgepumpt werden können. Die spanische Regierung wies die Vorwürfe zurück.

Das seit der Havarie der "Prestige" am 13. November an der spanischen Atlantikküste geltende Fischfangverbot könnte in fünf Monaten aufgehoben werden. Voraussetzung sei aber, dass in dieser Zeit nicht erneut größere Mengen Öl aus dem gesunkenen Tanker an die Küste gelangen, sagte Agrarminister Miguel Arias Cañete.

Spaniens Ministerpräsident José María Aznar versprach weitere 90 Millionen Euro, um die Wirtschaft in Galicien wieder anzukurbeln. Damit hat die spanische Regierung seit der Katastrophe bereits fast eine halbe Milliarde Euro an Hilfen zugesagt. Experten gehen allerdings davon aus, dass die langfristigen Schäden sich auf bis zu zehn Milliarden Euro belaufen könnten.

Ein Sturm behinderte am Freitag erneut die Säuberungsarbeiten der rund 6000 an den Stränden eingesetzten Helfer. Auch die Spezialschiffe, darunter die deutsche "Neuwerk", mussten abermals im Hafen bleiben, teilte die Einsatzleitung in La Coruña mit. Für das Wochenende kündigten die Meteorologen besseres Wetter an.

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