Angaben der griechischen Küstenwache Offenbar 22 Migranten bei Irrfahrt auf dem Mittelmeer gestorben
Ein Holzboot bei Überfahrt nach Italien (Symbol)
Foto:Daniel Kubirski / picture alliance
Vor der südlichen Küste der griechischen Urlaubsinsel Kreta sind offenbar 22 Migranten nach mehreren Tagen auf See gestorben. Überlebende berichteten der griechischen Küstenwache zufolge, das Schlauchboot habe am 21. März die ostlibysche Hafenstadt Tobruk verlassen, um über das Mittelmeer nach Griechenland zu gelangen. »Während der Fahrt verloren die Passagiere die Orientierung und blieben sechs Tage ohne Nahrung und Wasser auf hoher See«, erklärte die Küstenwache.
22 Menschen seien gestorben, ihre Leichen seien »auf Befehl eines Schleppers ins Meer geworfen« worden. 26 Migranten, unter ihnen eine Frau und ein Minderjähriger, konnten demnach vor Kreta von einem Schiff der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex gerettet werden.
Schleuser offenbar festgenommen
Die griechischen Behörden nahmen zwei Männer im Alter von 19 und 22 Jahren fest, südsudanesische Staatsbürger, die Schlepper sein sollen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Zwei Überlebende seien zur Behandlung in ein Krankenhaus in die Stadt Heraklion gebracht worden.
Fahrt zwischen Libyen und Kreta
Nach Angaben der Überlebenden ist ihr Boot wegen des schlechten Wetters manövrierunfähig geworden. Schlepperbanden lassen in dieser Region immer wieder Migranten auf das offene Meer hinausfahren, oft ohne ausreichende Versorgung und Navigationsmöglichkeiten.
Der Vorfall ereignete sich vor dem Hintergrund einer stark gestiegenen Zahl tödlicher Bootsunglücke im Mittelmeer, das weiterhin eine zentrale Route für Menschen auf der Flucht nach Europa ist. Allein im Februar kamen mindestens 18 Menschen auf der rund 300 Kilometer langen Überfahrt von Libyen nach Kreta ums Leben. Offiziere der griechischen Küstenwache gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.