Olympia 2012: Bradley Wiggins avanciert zur Stilikone - DER SPIEGEL
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Bradley Wiggins: Coole Koteletten, schnelle Beine

Foto: Lefteris Pitarakis/ AP

Olympiasieger Bradley Wiggins Kult um "King Wiggo"

Nach dem Tour-de-France-Sieg auch noch Gold bei Olympia - die britischen Medien feiern den neuen Superhelden Bradley Wiggins. Und erst die coolen Koteletten! Mit seinem Mod-Look avanciert "King Wiggo" zur Stil-Ikone der Spiele.
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Wessen Idee war das? Drei goldene Throne standen am Mittwoch vor dem Hampton Court Palace, dem früheren Schloss von König Heinrich VIII. an der Themse. Einer für jeden Medaillengewinner beim olympischen Zeitfahren der Radfahrer. In der Mitte nahm der britische Olympiasieger Bradley Wiggins Platz.

Es war eine grandiose Vorlage für die Boulevardblätter auf der Insel. "King Wiggo", proklamierte die "Sun" und zeigte auf der Titelseite, wie der 32-Jährige sich lässig auf dem Thron lümmelt und mit beiden Händen ein V-Zeichen macht.

Wie er so dasaß, die Beine überschlagen und den Reißverschluss seines hautengen Anzugs bis fast zum Bauchnabel geöffnet, machte er seinem Ruf als neuer "Modfather" alle Ehre. Mit seiner schmächtigen, blassen Brust, den rötlichen Koteletten und dem spöttischen Lächeln ist Wiggo der Prototyp des jungen Briten, der coole Typ von nebenan.

Um seine Koteletten ist ein regelrechter Kult entstanden. Die "Sun" druckte vor dem Rennen goldene Koteletten zum Ausschneiden, Fans sollten sie sich an die Backen kleben. Selbst ein Pferd stand am Ende mit goldenen Koteletten an der Strecke. Im Internet machten Fotomontagen von anderen britischen Sportlern mit Wiggo-Backenbart die Runde.

Wiggins kultiviert sein modisches Image sorgfältig

Tour-de-France-Sieger Wiggins ist das derzeit prominenteste Gesicht der Mods, einer Subkultur, die in den sechziger Jahren auf der Insel startete. Jugendliche fuhren auf Vespa- und Lambretta-Rollern durch die englischen Seebäder, man hörte The Who, The Jam und Small Faces. Man trug lange Haare, im Unterschied zu Hippies und Rockern waren sie jedoch stets sauber und geleckt. Wiggins mag die Musik von damals und auch die Mode. Unförmige Trainingsanzüge kann er nicht leiden, er bevorzugt taillierte Kleidung und Polo-Shirts von Fred Perry.

Der auffällige Backenbart ist Paul Weller nachempfunden, dem früheren Sänger von The Jam und Guru der Mod-Bewegung. Früher trug Wiggins auch die Haare lang wie Weller. In seiner Garage in Eccleston in der Nähe von Manchester sollen mehrere alte Roller stehen, auch beim jährlichen Mod-Revival-Treffen in Brighton soll er schon gesichtet worden sein.

Wiggins kultiviert sein modisches Image sorgfältig. Sein erstes Perry-Shirt habe er mit neun Jahren bekommen, erzählt er in Interviews. Heute arbeitet er mit dem Designer zusammen an einer eigenen Wiggins-Kollektion. Damit liegt er schwer im Trend. Die Mod-Kultur erlebt seit einigen Jahren ein Comeback, dokumentiert in Bildbänden wie "I'm one: 21st Century Mods" des in London lebenden deutschen Fotografen Horst Friedrichs .

Trotz der Disziplin, die das Leben als Radprofi und zweifacher Familienvater erfordert, hat Wiggins sich eine gewisse Anarcho-Aura erhalten. Nach seinem Olympiasieg ging er sich abends mit Freunden betrinken. Auf Twitter postete er Fotos von sich und einem Freund auf einer Dachterrasse, im Hintergrund St. Paul's Cathedral, das Wodkaglas in der einen, das V-Zeichen mit der anderen Hand. Er sei ziemlich "wasted", also völlig betrunken, verkündete er seinen Followern.