Organisationen Das Kuddelmuddel mit den Misses
Die Idee der Schönheitswettbewerbe ist uralt - schon der mythische Held Paris musste unter drei Göttinnen die schönste wählen. Er ließ sich von Aphrodite bestechen, kürte sie, durfte als Lohn die schöne Helena entführen - und löste damit den Trojanischen Krieg aus. Die weltliche Variante ist jünger und etwas friedlicher.
Die erste Schönheitskonkurrenz der Neuzeit wurde 1888 im belgischen Spa organisiert. Anlass war allerdings weniger die Suche nach der perfekten weiblichen Schönheit. Die Stadtoberen wollten schlicht den sinkenden Besucherzahlen des mondänen Badeortes entgegenwirken. Anscheinend ging die Rechnung auf: Das Bad wurde gerettet, die Idee setzte sich weltweit durch. Besonders schnell in den USA.
Noch dauerte es etwas, bis weltweite Schönheitskonkurrenzen ausgerufen wurden. 1951 veranstaltete der Londoner Unternehmer Eric Morley die erste Miss-World-Wahl. Für damalige Verhältnisse gab es viel nackte Haut zu sehen. "Wir steckten einfach alle Frauen in Badeanzüge. Das war ein Skandal", freute sich Morley später.
1952 begannen die Miss-Verständnisse
Ursprünglich plante der Unternehmer, seine Miss World nur ein einziges Mal zu küren. Nachdem aber die Paramount Studios wenige Monate später im kalifornischen Long Beach den konkurrierenden Miss-Universum-Titel vergaben, zog Morley mit. Seit 1952 bezeichnen sich jedes Jahr zwei Titelträgerinnen als "Schönste Frau der Welt".
Doch damit nicht genug. 1961 kam mit der Miss International eine dritte, 1970 mit der Miss Intercontinental eine vierte Schönheitskönigin hinzu. Es folgten so klangvolle Titel wie Miss-Planet-of-the-World oder Miss Earth, die meist unbedeutend blieben. Die vorläufig letzte ernstzunehmende Neuschöpfung gelang Erich Reindl, einem fast 70-jährigen Österreicher: 1989 gründete er die Firma Contracta International mit Sitz auf der spanischen Skandalinsel Ibiza und rief die weibliche Welt zu den Wahlen der Queen-of-the-World.
Keine Nacktfotos, kein Ehemann, keine Kinder
Bei all dem Wirrwarr: Die Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Misswahl sind - zumindest bei den renommierten Veranstaltern - relativ gleich. Alter zwischen 16 und 27 Jahren, keine Nacktfotos, kein Ehemann, keine Kinder. Auch die Jurys der einzelnen Organisationen scheinen ähnliche Kriterien anzulegen. Gekrönt werden soll eine Frau, die "Schönheit und Intelligenz perfekt vereint". Lara Dutta, Miss Universum 2000, kommt der Idealvorstellung offenbar sehr nahe. Die 22-jährige Inderin war bereits Miss Indien und Miss Intercontinental.
In Deutschland beginnen solche Schönheitskarrieren an verschiedenen Orten. Zum Beispiel in der Oldenburger Tangastraße - übrigens nicht benannt nach dem knappen Kleidungsstück, sondern nach der großen Hafenstadt im heutigen Tansania. Hier hat die "Miss Germany Corporation" (MGC) ihren Sitz. Hier verteidigte sie den Titel der Miss Germany, ein Markenzeichen, um das erbittert gestritten wurde. Gleich vier Organisationen konkurrierten jahrzehntelang um die Krönungsrechte. Bizarre Folgen: Vier Miss Germany durften sich feiern lassen - bis sich die MGC vor wenigen Monaten den Titel patentieren lassen konnte.
Miss Germany kann nicht Miss Universum werden
Doch damit wird es nicht einfacher. MGC entsendet die frisch gekürten deutschen Schönheitsköniginnen nicht etwa zur renommierten Miss-World-Wahl. Nein, die amtierende Miss Germany Mirjana Bogojevic kämpft um den Titel der unbekannteren Queen-of-the-World. Dafür darf die German Miss World, eine wenig bekannte MGC-Kreation, Deutschland bei der Wahl zur Miss World vertreten. Im nächsten Jahr soll sich das ändern. "Die Miss Germany fährt zur Miss-World-Wahl. Sonst versteht das ja niemand mehr", sagt MGC-Geschäftsführer Ralf Klemmer. Der Oldenburger Unternehmer bemüht sich redlich, zum einzigen nationalen Schönheitswahl-Experten zu werden. Dabei helfen ihm Sponsoren: Brauereien, Frauen-Illustrierte oder Haarkosmetik-Hersteller.
Miss Deutschland wird nie Miss World
Noch aber ist die Konkurrenz groß. Karrieren beginnen nämlich auch in der Bergheimer Charlottenhofstraße. Von hier aus organisiert die Miss Germany Organisation (MGO) die Wahlen zur Miss Deutschland. Ein kleiner Unterschied in der Bezeichnung, ein großer für den Karriereweg: Miss Deutschland kann niemals Miss World werden, dafür aber Miss Universum. Seit 1992 hält die MGO Lizenzen für die Wettbewerbe Miss Universum, Miss Intercontinental und Miss International, kann also als einzige deutsche Organisation Teilnehmer zu diesen bedeutenden Schönheitskonkurrenzen senden.
Deshalb ist die amtierende Miss Deutschland Claudia Bechstein zur Wahl der Miss Universum nach Puerto Rico geflogen. Chancen auf den Titel hat die 22-jährige Marketingassistentin aus Thüringen kaum. Marlene Schmidt gewann 1961 als erste und bisher einzige Deutsche den Wettbewerb. Seither bekamen meist exotische Schönheiten aus Venezuela, Botswana und Indien die Krone aufgesetzt - mehrere hundert Millionen Menschen sahen dabei zu. Die Wahl ist zum Medienspektakel geworden. Seit 1996 halten der amerikanische Milliardär Donald J. Trump und der Fernsehsender CBS die Lizenzen.
Die Schönste der Schönen
Geldpreise, Werbeverträge, Lippenstifte und Abendkleider im Wert von oft mehr als 200.000 Mark warten auf die Siegerin. Und als besonderer Anreiz: ein Jahr freies Wohnen im New Yorker Trump Tower, einem der exklusivsten Hochhäuser der Welt. "Da wird Claudia wohl nicht einziehen können. Toll wäre schon ein Platz unter den besten zwölf", wünscht sich MGO-Geschäftsführer Detlef Tursies für die deutsche Kandidatin.
Bei der verwirrenden Zahl von internationalen Schönheitswettbewerben steht seine persönliche Schönheitskönigin sowieso schon lange fest - seine eigene Frau.