Organspenden Tollwut-Patienten ringen mit dem Tod
Hannover - Der Zustand einer Tollwut-Patientin in Hannover hat sich heute dramatisch verschlechtert. Bisher sei er kritisch, aber stabil gewesen, sagte der Sprecher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Arndt Schweizer. Das sei jetzt nicht mehr der Fall. Die junge Frau - das genaue Alter wurde nicht bekannt gegeben - hatte von der mit Tollwut infizierten 26-jährigen Organspenderin die Lunge erhalten. Nach Auftreten der Hirnerkrankung vor rund einer Woche wurde sie in ein künstliches Koma versetzt.
Das Leben der Organempfängerin soll nun mit einer kaum erprobten Methode gerettet werden. Die Behandlung nach einem angepassten Therapieschema aus den USA laufe bereits, sagte der Leiter des MHH-Lungentransplantationsprogramms Martin Strüber der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Das Therapieschema sehe vor, ein Medikament zu geben, das die Virenvermehrung reduziere, erklärte der MHH-Experte.
Außerdem werde ein Präparat verabreicht, das die eigene Abwehr gegen Viren stärken solle. "Diese Abwehrstärkung birgt aber das Risiko, dass transplantierte Organe vom Körper abgestoßen werden könnten", sagte Strüber. Im vergangenen Jahr hatten US-Ärzte über die Rettung eines Tollwut-Patienten durch eine experimentelle Behandlung berichtet. Eine Alternative zu dieser Therapie gebe es nicht mehr.
Der Zustand eines 45-jährigen Tollwut-Kranken auf der Marburger Intensivstation sei weiterhin kritisch. Ihm waren eine Niere und die Bauchspeicheldrüse der infizierten Spenderin eingepflanzt worden. Auch der Zustand eines Tollwut-Patienten in Hannover Münden sei unverändert ernst, hieß es.
Bundesweit hatten sechs Menschen Organe einer mit Tollwut infizierten Spenderin erhalten. Ausgebrochen ist die Krankheit bei drei Patienten. Die 26-jährige Organspenderin, der nach ihrem Tod im Dezember in der Mainzer Universitätsklinik Lunge, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Leber und Augenhornhäute entnommen worden waren, hatte sich vermutlich bei einer Indien-Reise mit dem tödlichen Virus angesteckt. Sie hatte jedoch keinerlei Tollwut-Symptome gezeigt.