Orkan "Joachim": "Deutschland hat das Schlimmste überstanden" - DER SPIEGEL
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Orkan "Joachim" "Deutschland hat das Schlimmste überstanden"

"Joachim" hat den Nordosten der Republik erreicht und zieht weiter in Richtung Polen. Bundesweit bleibt es noch stürmisch, doch die größte Gefahr scheint gebannt. Zuvor hatte der Orkan für Verkehrschaos, Unfälle und geschlossene Weihnachtsmärkte gesorgt.
Orkan "Joachim": "Deutschland hat das Schlimmste überstanden"
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Orkan "Joachim": "Deutschland hat das Schlimmste überstanden"

Foto: Jens Meyer/ AP
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Offenbach - Mit heftigen Windböen, Regen und Schnee ist das Orkantief "Joachim" am Freitag über Deutschland hinwegfegt: Bäume wurden umgerissen, der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen, Weihnachtsmärkte und Fußballstadien wurden geschlossen. Nachdem der Sturm am Nachmittag im Schwarzwald mit Windstärke 12 seine heftigste Phase hatte, ist er am Abend weiter in den Nordosten gezogen.

Sein Zentrum lag zunächst nördlich von Berlin, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach berichtete. "Damit hat Deutschland das Schlimmste überstanden", sagte Diplom-Meteorologe Robert Scholz. "Joachim" wütet seit der Nacht zu Freitag über Europa. Vor allem in Süd- und Mittel-Deutschland hinterließ er eine Schneise der Verwüstung und brachte auch viel Schnee.

Baden-Württemberg: Auf dem Feldberg im Schwarzwald seien um 17.00 Uhr Böen mit 140 Kilometern in der Stunde gemessen worden. Das bedeute Windstärke 12, sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Im Schwarzwald wurden weiterhin Regenfälle von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter erwartet - der Wetterdienst warnte unter anderem vor Erdrutschen. Am Schulzentrum Balingen-Frommern riss der Sturm ein tonnenschweres Blechdach ab. Bei Dauchingen entgleiste ein Zug, als er auf einen umgestürzten Baum fuhr. Verletzt wurde laut Polizei niemand.

Bayern: Auf dem Wendelstein wurden Böen von 170 Stundenkilometer gemessen. Im Flachland, wie am Münchener Flughafen, erreichte "Joachim" Spitzenwerte um die 100 Stundenkilometer.

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Unwetter: "Joachim" wütet über Süddeutschland

Foto: Laurent Gillieron/ dpa

In Südhessen bescherte das Unwetter mehr als 45.000 Kindern einen schulfreien Tag: Der Unterricht in allen 122 staatlichen Schulen in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg wurde abgesagt.

In Rheinland-Pfalz standen wegen Starkregens viele Straßen unter Wasser, es kam zu schweren Verkehrsunfällen: In Neustadt/Weinstraße drehte eine Windböe einen Geländewagen aufs Dach - die vier Insassen wurden laut Polizei schwer verletzt. Die Autobahn 61 war am Vormittag nahe Alzey zeitweise voll gesperrt, da Anhänger umgeweht worden waren. Ein Lastwagen drohte von der Brücke zu fallen, teilte die Polizei mit. Im Süden von Rheinland-Pfalz brachten gefährliche Windböen den regionalen Zugverkehr stundenlang zum Erliegen, erst am Nachmittag konnten die Strecken wieder freigegeben werden.

Auch in Thüringen passierten auf den verschneiten Straßen viele Unfälle. In Mönchsberg rutschte ein mit 15 Kindern besetzter Schulbus gegen eine Mauer. Kinder und Fahrer blieben unverletzt. Liegen gebliebene Lkw verursachten auf der A 71 kilometerlange Staus.

Nordrhein-Westfalen: Auf den Autobahnen vor allem rund ums Sauerland bildeten sich lange Staus, die A 45 und die A 4 mussten zeitweise gesperrt werden.

Lediglich in Norddeutschland blieb die Lage zunächst entspannt. In der Nacht zum Samstag erwartet das Bundesamt für Seeschifffahrt jedoch entlang der gesamten Küste Hochwasser. In Berlin fiel bei starkem Wind der erste Schnee.

Die Weihnachtsmärkte in Karlsruhe, Friedrichshafen, Chemnitz, Freiberg und Kempten wurden vorsorglich geschlossen. Das Tollwood-Winterfestival auf der Münchner Theresienwiese öffnete aus Sicherheitsgründen ebenfalls nicht. Mehrere Skigebiete stellten den Liftbetrieb ein und an der Zugspitze war die Eibsee-Seilbahn nicht in Betrieb. In Frankfurt am Main bremste "Joachim" den Flugverkehr. An anderen Airports fielen Flüge aus.

Auch in Großbritannien kehrte am Freitag der Winter ein, einige Flüge fielen aus. Im schottischen Glasgow wurden sechs Zentimeter Schnee gemessen, in Nordirland vier Zentimeter. Auch im Südosten der Region um London schneite es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.

"Joachim" hatte sich in der Nacht bereits in Frankreich ausgetobt. Im Westen des Landes fiel nach Regierungsangaben in rund 400.000 Haushalten der Strom aus, davon 100.000 in der Bretagne. Vor der Bretagne strandete der 109 Meter lange Frachter "TK Bremen" mit 19 Mann an Bord. Ein Hubschrauber der französischen Marine rettete die Männer von Bord des Schiffes. Die Behörden lösten Umweltalarm aus, da Öl auslief. Die Tanks sollten ausgepumpt werden.

Unterdessen erreichte die Schlechtwetterfront Tschechien und die Slowakei und machte manche Straßen unpassierbar.

In Deutschland soll es in der Nacht vor allem in Bayern und im Osten stürmisch bleiben. Am Abend galten noch für Teile Baden-Württembergs, Bayerns, Thüringens, Sachsens und für den Harz Unwetterwarnungen vor Sturmböen, Schneeverwehungen oder Niederschlägen. Die Behörden warnten zudem vor Überschwemmungen an Mosel und Nahe in der Nacht zum Samstag.

Wenn "Joachim" durchgezogen ist, soll es auch deutlich kälter werden. Das verursacht am Wochenende weiße Winterpracht: Vor allem im Süden und Südosten sinkt die Schneefallgrenze bis ins Flachland. Danach wird es aber wieder milder - für weiße Weihnachten stehen die Aussichten laut DWD daher eher schlecht.

Hier kommen Sie zur Unwetterzentrale von Meteomedia.

lgr/dpa/dapd

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