Orkan "Niklas" "Einer der schwersten Stürme der vergangenen Jahre"
Orkan "Niklas": "Einer der schwersten Stürme der vergangenen Jahre"
Foto: Alex Talash/ dpaSturmtief "Niklas" ist mit Spitzenböen von rund 150 Kilometern pro Stunde zum Orkan geworden. Es sei einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre, sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Das Sturm- und Orkanfeld werde im Lauf des Dienstags weite Teile Deutschlands erfassen. Der DWD gab Unwetterwarnungen für große Teile des Landes heraus.
Wegen des Sturmtiefs bleibt der Hamburger "Dom" an diesem Dienstag geschlossen. Grund sei die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes, teilte die Wirtschaftsbehörde mit. Besucher der Kirmes und Schausteller müssten geschützt werden.
Auch der geplante Renntag auf der Krefelder Galopprennbahn ist wegen aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Im Stadtwald sollten sieben Rennen ausgetragen werden.
Orkanserie in Deutschland: "Niklas" wirbelt durch das Land
In mehreren Bundesländern öffneten Freizeitparks und Zoos wegen des Orkans vorsorglich nicht. Die Feuerwehr in München sperrte den Viktualienmarkt.
Schwere Schäden an Gebäuden
Vielerorts waren Polizei und Feuerwehr im Einsatz, um umgestürzte Bäume von Autobahnen und Bundesstraßen zu räumen. Im Frankfurter Bahnhofsviertel stürzte ein 15 Meter hohes Baugerüst auf vier parkende Autos, verletzt wurde niemand, wie die Feuerwehr mitteilte.
Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland knickte "Niklas" Bäume und Strommasten um. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sagte: "Kaum ist der eine Baum aufgeräumt, stürzt der nächste um."
Für Hochlagen des Harzes und die Alpen galten Warnungen vor extremem Unwetter. Der Sturm könne Bäume entwurzeln, Gegenstände durch die Luft wirbeln und schwere Schäden an Gebäuden verursachen. Besonders betroffen waren zunächst Teile von Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
In Nordrhein-Westfalen sitzen Tausende Reisende und Pendler an Bahnhöfen fest - unter anderem in Düsseldorf, Bielefeld, Dortmund und Köln. Züge verspäteten sich zunächst stark, bevor der Nahverkehr der Bahn schließlich komplett eingestellt wurde.
Drei umstürzende Bäume haben einen mit rund 350 Passagieren besetzten Intercity bei Osnabrück gestoppt. Die Bäume stürzten auf den letzten Waggon des Zuges, wie die Bundespolizei mitteilte. Es sei niemand verletzt worden. Der Zug war auf dem Weg von Köln nach Bremen.
"Niklas" hat auch die S-Bahn im Raum Hannover lahmgelegt. Zur Sicherheit der Fahrgäste sei der S-Bahn-Verkehr am Dienstagnachmittag komplett eingestellt worden, teilte die Deutsche Bahn mit. Darüber hinaus sei im Regionalverkehr mit Zugausfällen und Verspätungen zu rechnen. Auf der Strecke zwischen Hannover und Bremen kam es wegen einer Oberleitungsstörung bei Nienburg zu erheblichen Verspätungen. Die Bahn richtete einen Ersatzverkehr ein.
In Bayern wurde der Fernverkehr komplett eingestellt, im regionalverkehr kam es zu massiven Einschränkungen. Die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs musste wegen Orkanschäden geräumt werden, wie die Bundespolizei mitteilte. Dachfenster hätten sich durch den Sturm verschoben und drohten herabzustürzen. Es finde kein Zugverkehr mehr statt.
Den Fahrplan der Inselfähren in Niedersachsen wirbelte "Niklas" ebenfalls durcheinander. Schiffe zu den ostfriesischen Inseln fielen aus, in manchen Fällen verschoben sich die Abfahrtszeiten. Für die Nacht zu Mittwoch wird zwischen Emden und Cuxhaven mit einer leichten Sturmflut gerechnet. Der höchste Wert sollte in Emden mit 1,75 Metern über dem mittleren Tidehochwasser liegen, sagte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz voraus.
Extreme Orkanböen wurden laut dem Wetterdienst am Morgen auf der Zugspitze (164 km/h), dem Feldberg im Schwarzwald (151) und auf dem Weinbiet bei Neustadt an der Weinstraße (148) gemessen. Im Flachland habe es verbreitet Orkanböen von mindestens 118 Kilometern pro Stunde gegeben.
Mit teilweise extremen Orkanböen erreichte das Tief Bayern. Wegen Sturmschäden wurde die ICE-Strecke zwischen München und Augsburg gesperrt. In Kerpen bei Köln kippte in der Nacht infolge des Sturms ein Kran in einem Kieswerk. Er blieb an einem Hausdach hängen. Der Kranführer erlitt keine Verletzungen.
Ostern wird nasskalt
Auch in den Höhenlagen von Eifel und Hunsrück wütete "Niklas" am Morgen. Zahlreiche Straßen seien wegen umgestürzter Bäume gesperrt, sagte ein Polizeisprecher in Trier. In Bitburg in Rheinland-Pfalz verursachte der Sturm einen vorübergehenden Stromausfall.
Das Osterfest wird in diesem Jahr ungemütlich nasskalt, aber zumindest ist der Sturm dann wohl kein Thema mehr. Nach dem Abzug von Orkantief "Niklas" erreicht Polarluft aus dem Norden Deutschland - so prognostiziert es der Deutsche Wetterdienst. Karfreitag werde der Wind merklich abflauen. Dafür drehe die Strömung auf Nord, Schauer fallen bis ins Flachland als Schnee. Regen- und Graupelschauer könne es überall geben, auch Gewitter seien möglich.
In fünf Kilometern Höhe herrschten minus 40 Grad, in Bodennähe Plusgrade, diese Temperaturgegensätze führten zu heftigen Schauern und Gewittern.