Orkantief "Ginger" hatte den Norden im Griff
Hamburg/Düsseldorf - In Niedersachsen wurden drei Menschen verletzt. Durch umgestürzte Bäume war der Bahn- und Autoverkehr stark behindert. Die Einsatzkräfte rückten bis in den Montagmorgen zu tausenden Einsätzen aus. Auch über Schleswig- Holstein, Hamburg und Mecklenburg- Vorpommern fegten heftige Sturmböen. Dabei kam es den ersten Bilanzen zufolge aber bisher nicht zu größeren Schäden.
In Hannover und im Landkreis Osnabrück wurden zwei Frauen durch herabfallende Äste verletzt. Auf der Nordseeinsel Norderney riss der Sturm den Rotorkopf einer Windanlage ab. Dadurch wurde das Dach eines Firmengebäudes durchschlagen. Der Schaden beträgt 150.000 Mark. Auf dem Gelände der Weltausstellung Expo in Hannover sicherte die Feuerwehr das Dach des niederländischen Pavillons. In Bremerhaven wurde der Frühjahrsmarkt aus Sicherheitsgründen geschlossen. Bei der Bahn kam es vor allem im Bereich Bremen, Oldenburg und Leer zu Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Der Schiffsmeldedienst in Bremerhaven registrierte ein- bis zweistündige Verspätungen bei großen Frachtschiffen. In Hamburg war die Feuerwehr bis in den Abend 276 Mal im Einsatz.
Auch in Nordrhein-Westfalen tobte "Ginger" heftig. In Bad Salzuflen wurde ein 79-jähriger Kurgast von einem umknickenden Baum erschlagen. Auf dem Düsseldorfer Flughafen verletzte eine herumfliegende Aluminiumplatte einen 27-Jährigen schwer. Ein 33-jähriger Gartenbauer stürzte vier Meter tief von einem Baum. Durch herabfallenden Äste wurden im Westen auch ein elfjähriger Junge und ein 13-jähriges Mädchen verletzt. Allein dort waren die Rettungskräfte 4400 mal im Einsatz.
In den Niederlanden wurden bei Eindhoven ein Mann und ein zehnjähriges Kind durch einen Ast erschlagen. In Oosthuizen starb ein Autofahrer in den Trümmern seines vom Baum zertrümmerten Autos. Mindestens drei weitere Menschen wurden schwer verletzt, teilte die Polizei mit. Viele Straßen und Schienenverbindungen waren stundenlang gesperrt.
Ursache für den Wetterumschwung war die Wandlung des Tiefs "Ginger" in ein Orkantief auf Grund großer Temperaturunterschiede. "Über England, Holland und Deutschland sind diese Gegensätze, bei denen kalte Luft aus dem Norden mit warmer Luft aus dem Süden zusammen trifft, sehr stark geworden", erklärte Dieter von Bargen vom Deutschen Wetterdiens. "Bei einer solchen Lage können sich schnell Orkantiefs entwickeln."