Osthoff-Entführung Rätselraten um Rolle des Scheichs
Hamburg - Susanne Osthoff ist mit den Hintermännern der Tat in Berührung gekommen, nachdem sie sich mit ihren bisherigen Vermietern zerstritten hatte. Auf einem Fest der deutschen Botschaft in Bagdad am 3. Oktober habe sie Kontakt zu dem irakischen Menschenrechtler und Politiker Ibrahim al-Basri geknüpft, berichtet "Stern.de". Basri promovierte in Leipzig und war einst Leibarzt des Diktators Saddam Hussein. Später wurde er wegen Umsturzplänen 1990 zum Tode verurteilt und saß 13 Jahre im Gefängnis saß. Einer seiner Mithäftlinge war Dschamal al-Duleimi, einen Scheich aus Falludscha.
Eine Verwicklung Duleimis ist nach Informationen des SPIEGEL wahrscheinlich. Er hatte den Fahrer und den Wagen besorgt, mit dem Susanne Osthoff in den Nordirak aufbrach. Susanne Osthoff vermutet, dass ihr Chauffeur Chalid Nadschi al-Schimani sie verraten hat. Duleimi, früher angeblich ein Geheimdienstmann unter Saddam, soll seit der Freilassung der Geisel - ebenso wie der Fahrer - verschwunden sein.
Außerdem habe Duleimi der Deutschen auch vorübergehend ein Zimmer in seiner Bagdader Wohnung vermietet habe, berichtet "Stern.de". Dort habe sie bis zur ersten Oktoberhälfte gewohnt, sich schließlich aber mit ihren Vermietern zerstritten. Die Frau des Scheichs soll Osthoffs Habe durchsucht und Gegenstände mitgehen lassen. Darufhin sei Osthoff aus der Wohnung ausgezogen.
Bis zu dem Tag, an dem sie entführt wurde, nutzte sie den Angaben zufolge die Kontakte des Scheichs, um sicher durch den gefährlichen Norden des Landes reisen zu können. Am 25. November fuhr sie dann mit dem ihr empfohlenen Schimani. Die Fahrt endete in einer 23 Tage langen Geiselhaft.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte heute, es gebe bislang keine Erkenntnisse über den Aufenthalt des Fahrers und des Scheichs. Über deren mögliche Verwicklung in die Entführung Osthoffs wolle er nicht spekulieren, sagte er.