Panik bei "DSDS"-Autogrammstunde: Fatale Showtime mit kritischer Masse - DER SPIEGEL
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"DSDS"-Veranstaltung: Massenpanik statt Autogrammstunde

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Panik bei "DSDS"-Autogrammstunde Fatale Showtime mit kritischer Masse

RTL liefert die Promis, ein Einkaufszentrum dient als Kulisse, fertig ist die "DSDS"-Autogrammstunde - mit verheerenden Folgen. Nach der Massenpanik in Oberhausen rätseln die Veranstalter, wie es dazu kommen konnte - trotz verschärfter Auflagen nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg.
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Hamburg - Rückblickend wirkt die Ankündigung zynisch: "Die Gelegenheit für alle 'DSDS'-Fans, die Superstar-Anwärter hautnah zu erleben." So hatte RTL auf seiner Homepage für eine Autogrammstunde in einem Oberhausener Einkaufszentrum mit den Finalisten von "Deutschland sucht den Superstar" geworben.

Die Veranstaltung geriet außer Kontrolle, endete in Gedränge und einer Massenpanik - 60 Teenager im Alter von zwölf bis 17 Jahren wurden verletzt, 28 von ihnen mussten mit Knochenbrüchen, Kreislaufzusammenbrüchen oder Schocks im Krankenhaus behandelt werden. Am Montag waren drei Besucher noch immer in stationärer Behandlung.

Die Beteiligten - RTL und das Management des Einkaufszentrums - geben sich zerknirscht. In einer Pressemitteilung des Autogrammstunden-Veranstalters Centro heißt es, man bedauere "die entstandene Situation sehr" und zeige sich "über die Verletzten tief betroffen".

"Es geht heute nicht um die Klärung der Schuldfrage"

Was am Sonntagnachmittag geschehen ist - darüber scheint Einigkeit zu bestehen:

    • Seit der Mittagszeit strömten Tausende "DSDS"-Fans auf das Gelände in Oberhausen.
    • Gegen 12 Uhr wurden nach Angaben des Zentrumsbetreibers die Türen zu der Halle geöffnet, in der die Autogrammstunde stattfinden sollte.
    • Um 12.40 Uhr, so das Zentrumsmanagement, wurde das Gebäude geschlossen, da sich etwa 3000 Fans darin befanden.
    • Um 14.37 Uhr gingen bei der Leitstelle der Oberhausener Polizei Anrufe ein, vor dem Gebäude gebe es Gedränge.
    • Gegen 15 Uhr trafen 53 Helfer der Feuerwehr ein, um die Verletzten zu versorgen.
    • Um 15.15 Uhr wurde die Veranstaltung abgesagt - laut Einkaufszentrum-Management von den Verantwortlichen der Feuerwehr, der Polizei und des Managements.

Die Durchsagen der Veranstalter an die Fans außerhalb des Gebäudes, nicht mehr in Richtung Eingang zu drängen, gingen offenbar im Gekreisch unter. Erst als die Einsatzkräfte per Lautsprecher dazu aufforderten, das Gelände zu verlassen, habe sich die Lage allmählich entspannt, teilte die Polizei mit.

So weit der Ablauf. Doch die entscheidende Frage, wie es zu der Massenpanik kam, ist noch nicht beantwortet. RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer sagte, derzeit stehe das Wohl der betroffenen Fans im Vordergrund. "Es geht heute nicht um die Klärung der Schuldfrage."

Die Polizei ermittelt inzwischen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Es sei eine Ermittlungskommission "Oase" mit 14 Beamten eingerichtet worden, teilte das Polizeipräsidium Oberhausen am Montag mit. Die Staatsanwaltschaft Duisburg geht davon aus, dass in Kürze offiziell ein Verfahren eingeleitet wird, wie ein Sprecher betonte. Die Polizei habe ihre Unterlagen zu dem Unglück übermittelt. Derzeit gebe es keinen konkreten Beschuldigten. Eine erste Lageeinschätzung soll am Mittwoch vorliegen.

Entscheidendes Problem: zu viele Besucher

Der Vorfall sorgt auch deshalb für große Aufregung, weil das nordrhein-westfälische Innenministerium nach der Katastrophe bei der Love Parade 2010 in Duisburg einen verschärften Erlass für Großveranstaltungen herausgegeben hatte. Die neue Regelung bezieht sich aber nur auf Veranstaltungen unter freiem Himmel und mit mehr als 5000 erwarteten Teilnehmern. Die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf erklärte, die Veranstaltung habe bei den überregionalen Behörden nicht genehmigt werden müssen.

NRW-Innenminister Ralf Jäger will nun prüfen, ob der Erlass nachgebessert werden muss. Zudem will der SPD-Politiker klären lassen, wer für die Fehleinschätzung bei der Besucherzahl verantwortlich ist. Das Innenministerium habe Berichte bei der Stadt und bei der Bezirksregierung angefordert.

Das entscheidende Problem war, dass deutlich mehr Fans die "DSDS"-Kandidaten sehen wollten als ursprünglich geplant. "Keiner hat damit gerechnet, dass so viele Leute kommen", sagt Uwe Weighardt, Sprecher der Oberhausener Polizei. Auf der Homepage von RTL ist von bis zu 19.000 Besuchern die Rede.

Völlig überraschend war der Besucheransturm aber nicht. Im vergangenen Jahr sollten "DSDS"-Kandidaten der damaligen Staffel in Bochum Autogramme geben - ebenfalls in einem Einkaufszentrum. Auch damals kamen deutlich mehr Fans als erwartet, auch damals musste die Veranstaltung abgebrochen werden. 18 Personen wurden im Gedränge verletzt.

Hätte man aus Bochum lernen müssen? Eickmeyer teilt dazu mit, seit acht Jahren gebe es immer wieder "DSDS"-Autogrammstunden mit vielen Fans, die ohne Zwischenfälle abgelaufen seien - bis auf die in Bochum.

Auf großen Andrang nicht vorbereitet

"Wir haben versucht, aus den Fehlern in Bochum zu lernen", sagte Markus Remark, Event- und Freizeitmanager des Oberhausener Einkaufszentrums dem Internetportal derwesten. "Auf einen Andrang wie dort waren wir auch gut vorbereitet. Nach Schätzungen kamen heute aber 15.000 bis 20.000, das hat einfach nicht funktioniert." Oberhausen kritisierte das Einkaufszentrum am Montag: Es habe seine Veranstaltung nicht rechtzeitig angemeldet und es später versäumt, rechtzeitig die Feuerwehr zu rufen, erklärte die Stadt am Montag.

Das Management wehrt sich: "Ein uns angekündigtes Fanaufkommen von etwa 3000 bis 5000 Fans wäre mit unserem Sicherheitskonzept absolut beherrschbar gewesen", heißt es in einer Mitteilung.

3000 bis 5000 - diese Zahl stammt laut Remark von der "DSDS"-Produktionsfirma Grundy Light Entertainment. An dieser Angabe habe man sich orientiert. Etwa 35 Sicherheitskräfte seien im Einsatz gewesen. Das reiche aus, "wenn nicht mehr als 5000 Leute kommen", sagte Remark zu SPIEGEL ONLINE. Man habe sich nur anhand der Erfahrungen und der Mitteilung der Produktionsfirma vorbereiten können. "Wir hätten es nicht gemacht, wenn wir gewusst hätten, dass es mehr als 5000 werden. Die Fans seien "euphorisiert gewesen, ihre Stars zu sehen und "dadurch nicht kalkulierbar".

Eine Sprecherin der Produktionsfirma Grundy teilte mit, auf Nachfrage des Veranstalters habe man "die Besucherzahlen der letzten Autogrammstunde angeben". Dort seien 4000 bis 6000 Fans gewesen. "Wir sind nicht Veranstalter, daher können Schätzungen von uns nicht Basis der Veranstaltungsorganisation sein", so die Sprecherin. Exakt dieser Satz kommt auch von RTL-Sprecherin Eickmeyer.

Auch wenn die Schätzung nicht von RTL stammte - der Sender hat nun ein gewaltiges Problem. RTL versucht nun zu beruhigen und rudert zurück - vorerst. "In der aktuellen Staffel wird es keine Autogrammstunde mehr geben, bis geklärt ist, wie es dazu kommen konnte", sagt Eickmeyer.

Zu einem generellen Verzicht auf Massen-Autogrammstunden kann sich der Sender nicht durchringen. Das Einkaufszentrum schon: "Wir werden solche Termine bei uns nicht mehr machen", sagte Remark.

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