Papst-Besuch: Benedikts Betkurs - DER SPIEGEL
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Papst-Besuch Benedikts Betkurs

Papst Benedikt XVI. lehrt die Gläubigen auf seiner Tour durch Bayern beten. Nachdem er gestern von der "Schwerhörigkeit" des modernen Menschen sprach, predigte er heute in Altötting, wie man auf rechte Weise mit Gott kommuniziere.
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Altötting – Bei der Messe in Altötting forderte Papst Benedikt XVI. die Menschen auf, Gott in ihrem Leben mehr Raum zu geben. In seiner Predigt vor rund 60.000 Gläubigen hob das Kirchenoberhaupt dabei die zentrale Rolle der in dem Wallfahrtsort verehrten Jungfrau Maria hervor. Von ihr könnten die Gläubigen "das rechte Beten" lernen.

Benedikt wies auf die Güte, Fürsorge und Hilfsbereitschaft Marias hin. Zugleich überlasse sie aber auch alles dem Herrn. "So lehrt sie uns beten: nicht unseren Willen und unsere Wünsche Gott gegenüber durchsetzen wollen, sondern ihm überlassen, was er tun wird." Von Maria könne man die Demut lernen, "Gottes Willen anzunehmen und ihm zu glauben, dass seine Antwort das Gute für uns ist".

Auch Jesus handle nie, um nach außen zu gefallen. "Er handelt immer vom Vater her. Und gerade das eint ihn mit Maria, denn dorthin, in diese Willenseinheit mit dem Vater, wollte sie auch ihre Bitte legen." Maria und Jesus gehörten zusammen. "Mit ihr wollen wir im Gespräch mit dem Herrn bleiben und so ihn besser empfangen lernen", sagte Benedikt XVI.

"Gott groß machen, das heißt ihm Raum geben in der Welt, im eigenen Leben, ihn einlassen in unsere Zeit und unser Tun das ist das tiefste Wesen rechten Betens", fuhr der Papst fort. "Wo Gott groß wird, da wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch groß, und da wird die Welt hell."

Bereits gestern in München sprach der Papst über die Verbindung des Menschen zu Gott. Er stellte eine "Schwerhörigkeit Gott gegenüber" fest. Benedikt sagte während des Gottesdiensts auf dem Messegelände vor 250.000 Menschen: "Wir können ihn einfach nicht mehr hören – zu viele andere Frequenzen haben wir im Ohr." Der "Raum unseres Lebens" werde dadurch in "bedrohlicher Weise" reduziert. Der Papst rief die Deutschen zur Rückbesinnung auf christliche Werte auf.

Täglicher Rosenkranz für den Papst

Die Predigt des Papstes heute in Altötting wurde mit viel Beifall bedacht. Nach seiner Ankunft war Benedikt XVI. zunächst unter dem Jubel der Gläubigen im "Papamobil" zur Gnadenkapelle gefahren. Dort kniete er zu einem stillen Gebet vor der "Schwarzen Madonna" nieder.

Der dritte Besuchstag von Benedikt XVI. in Bayern steht ganz im Zeichen der Kindheit und Jugend des Papstes. Nach Altötting war er bereits als Kind gepilgert. Am Abend wird der Papst auch einen kurzen Abstecher zu seinem Geburtsort Marktl am Inn machen.

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml sagte bei der Begrüßung des Papstes in Altötting, Marktl sei schon "voller Erwartung". Außerdem "dürfen wir Passauer mit Stolz daran erinnern, dass Sie in unserer Diözese geboren sind". Seit der Amtseinführung des Papstes sei kein Tag vergangen, an dem nicht in der Gnadenkapelle für ihn der Rosenkranz gebetet worden sei. Der Bischof fügte hinzu: "Ich kann Ihnen versprechen, dass das so bleiben wird."

Farbflecken auf Ratzinger-Geburtshaus übermalt

Hektischer Betrieb herrschte zwischenzeitlich in Ratzingers Geburtsort Marktl am Inn im Landkreis Altötting. In der Nacht zum Sonntag hatten Unbekannte zwei blaue Farbbeutel auf die Fassade des Geburtshauses des Papstes geworfen. Diese wurden rechtzeitig vor der Ankunft Benedikts in dem Ort übermalt. Nach den Tätern der Farbbeutel-Attacke wird nach Angaben der Polizei noch gesucht.

Am Abend sieht das Programm des Papstes einen Besuch in der Pfarrkirche St. Oswald in Marktl vor. Vor dem Taufstein des Gotteshauses wollte er ein Gebet sprechen. Am 16. April 1927, einem Karsamstag, war er dort mit dem gerade geweihten Osterwasser getauft worden. Zu Ostern war der in der Zwischenzeit entfernte Taufstein wieder in die Kirche zurückgebracht worden. Sein Geburtshaus wollte der Papst allerdings nicht betreten. Noch am Abend will der Papst nach Regensburg weiterfliegen.

asc/AP/dpa/AFP/ddp