Papst-Besuch: Mahnende Worte von "Benedetto" - DER SPIEGEL
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Papst-Besuch Mahnende Worte von "Benedetto"

Mit einem Meer von gelb-weißen Fähnchen, Beifall und "Benedetto"-Rufen feierten Zehntausende in München ihren deutschen Papst Benedikt XVI. Mahnende Worte gab es dann im Gespräch mit Bundespräsident Köhler: Benedikt forderte, Muslime in Deutschland stärker zu integrieren.
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München - Nachdem sein Konvoi vom Flugplatz das Priesterseminar Georgianum in München erreicht hatte, stieg der Papst in das Papamobil um. Mehrere zehntausend Menschen säumten die Ludwigstraße, feierten den Papst mit starkem Beifall und schwenkten Fähnchen in den Vatikanfarben Gelb und Weiß. Kirchenglocken läuteten.

Der Platz vor dem Münchner Rathaus war entgegen den Erwartungen nicht komplett gefüllt mit Pilgern. Nach Angaben der Polizei hätten noch gut 1000 Gläubige mehr Platz gehabt, um den Papst zu begrüßen. Insgesamt jubelten 70.000 Menschen dem Papst zu. Das befürchtete Verkehrschaos auf den Straßen im öffentlichen Nahverkehr blieb weitgehend aus.

"Es ist für mich sehr bewegend, wieder auf diesem wunderschönen Platz zu Füßen der Mariensäule zu stehen, an einem Ort, der bereits zwei Mal Zeuge entscheidender Wendepunkte in meinem Leben war", sagte der Papst, der an der Säule später auch betete.

Nachfolger des heiligen Korbinian

Bereits am Pfingstsamstag 1977 hatte Joseph Ratzinger nach seiner Weihe zum Erzbischof von München und Freising am Fuße der Mariensäule auf dem Platz um Schutz für sein Land gebetet. Ebenfalls vom Marienplatz hatte er sich von seinem damaligen Erzbistum München und Freising am 28. Februar 1982 nach Rom verabschiedet.

Benedikt XVI. erinnerte daran, dass er als Münchner Erzbischof Nachfolger des heiligen Korbinian war. In Anlehnung an die Legende bezeichnete er sich selbst als "ein Lasttier Gottes". Aber gerade so sei er immer bei Gott.

Nach der Legende hatte ein Bär das Reittier des Heiligen zerfleischt, als dieser auf der Reise nach Rom war. Als Strafe lud ihm Korbinian das Bündel auf den Rücken, das bis dahin das Pferd getragen hatte. So musste der Bär es über die Alpen bis nach Rom schleppen und wurde erst dort vom Heiligen freigelassen.

"In meinem Fall hat der Herr anders entschieden", bemerkte der Papst zur großen Erheiterung der Anwesenden. So stehe er nun wieder zu Füßen der Mariensäule, um die Fürsprache und den Segen der Muttergottes zu erflehen - "diesmal aber nicht nur für die Stadt München und für Bayern, sondern für die Kirche der ganzen Welt und für alle Menschen guten Willens".

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärte: "Für die Menschen in unserem Land und für mich persönlich geht heute ein Herzenswunsch in Erfüllung: Unser deutscher Papst kehrt in seine bayerische Heimat zurück." Alle seien tief bewegt und dankbar, diesen historischen und einmaligen Augenblick miterleben zu dürfen. Der Besuch werde in die Geschichte des Landes eingehen und allen Gläubigen neue Impulse geben.

Integration von Muslimen

In einem Vier-Augen-Gespräch mit Bundespräsident Köhler forderte Papst Benedikt XVI. verstärkte Anstrengungen bei der Integration von muslimischen Bürgern in Deutschland. dies habe ihm Benedikt XVI. eindeutig "mitgegeben", sagte Köhler. Auf diese Weise solle auch ein "gutes Zeichen" an die muslimische Welt außerhalb Deutschlands gegeben werden, "dass wir mit ihnen gut zusammenleben wollen, dass sie willkommen sind".

Köhler betonte im Bayerischen Fernsehen, auch ihn selbst interessiere in besonderer Weise die Frage, wie der Dialog zwischen dem Islam und dem Christentum "weiter fruchtbar" gemacht werden könne. Dies sei "auch im Lichte der Konflikte jetzt im Nahen Osten" wichtig.

Ein weiteres Thema des Treffens mit dem Papst war Köhler zufolge "der Zustand des Christentums in Deutschland" und die Frage eines "Schwundes bei den Kirchen". Der Papst habe hier Sorgen. Auch die Ökumene war Thema des Gesprächs. "Meine Erfahrung ist, dass katholische und evangelische junge menschen nicht mehr beim Abendmahl getrennt sein wollen." Köhler hatte den Papst auf dem Münchener Flughafen mit Angela Merkel und Ministerpräsident Stoiber in Empfang genommen.

Besuch als Ermutigung

Auf die Hoffnungen des Bundespräsidenten zu Ökumene antwortete Benedikt XVI.: "Wir werden uns mit Herz und Verstand darum bemühen, dass wir zueinander kommen." Der Papst appellierte an die Deutschen, sich aktiv an der Weitergabe der grundlegenden Werte des christlichen Glaubens zu beteiligen. "Mein Besuch in dem Land, in dem ich geboren wurde, möchte auch in diesem Sinne eine Ermutigung sein", sagte der Papst. Joseph Ratzinger betonte auch den besonderen persönlichen Charakter seiner Reise: "Ich kehre in meine Heimat, zu meinen Landsleuten, zurück in der Absicht, einige Orte zu besuchen, die in meinem Leben eine grundlegende Bedeutung hatten." Und so sprach er die rund 400 Anwesenden auch so an, wie man es in Bayern gewohnt ist: "Ein herzliches Grüß und Gott" lautete seine Begrüßungsformel.

Begeisterte Zuhörer feierten ihn mit "Benedetto"-Rufen, die Tegernseer Gebirgsschützen empfingen den Papst mit einem dreifachen Salut. Benedikt selbst ist Mitglied der Gebirgsschützen.

Im Laufe seines sechstägigen Besuchs in Bayern wird der Papst Gottesdienste in München und Regensburg feiern sowie die Wallfahrtsstadt Altötting und seinen Geburtsort Marktl besuchen.

reh/Reuters/dpa/ddp/AP

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