Papst spricht vor dem Petersdom den Ostersegen - DER SPIEGEL
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Osterfeiern in Rom: Papst spricht "Urbi et Orbi"

Foto: GABRIEL BOUYS/ AFP

Osterbotschaft in Rom Papst fordert Ende des Blutvergießens in Syrien

Vor Zehntausenden Gläubigen hat Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz den Segen "Urbi et Orbi" gesprochen. In seiner Osterbotschaft rief der 84-Jährige eindringlich zu Frieden, Stabilität und Religionsfreiheit in der Welt auf. Vor allem in Syrien forderte er den Beginn eines Dialogs.
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Rom - "Urbi et Orbi", der Stadt und dem Erdkreis - am Sonntagmittag hat Papst Benedikt XVI. den apostolische Segen von der Mittelloggia des Petersdoms gesprochen. Vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz verlas Benedikt zudem in 65 Sprachen Osterwünsche. Auf Deutsch sagte er: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch."

Zuvor hat das 84-jährige Kirchenoberhaupt der Katholiken die traditionelle Ostermesse auf dem mit Blumen festlich geschmückten Petersplatz gefeiert. Rund hunderttausend Gläubige und Touristen aus aller Welt wohnten diesem Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten bei eher kühlem Frühlingswetter bei. Der Papst kämpfte während der Feier durchgängig mit Heiserkeit.

In seiner Osterbotschaft rief Benedikt eindringlich zu Frieden, Stabilität und Religionsfreiheit in der Welt auf. "Die Hoffnung muss in dieser Welt unweigerlich mit der Härte des Bösen rechnen", warnte er. Besonders in Syrien sollte das Blutvergießen enden und unverzüglich der Weg der Achtung, des Dialogs und der Versöhnung eingeschlagen werden", forderte der Papst. Die vielen syrischen Flüchtlinge bräuchten humanitäre Hilfe, Aufnahme und Solidarität, um ihre schmerzlichen Leiden zu mindern.

Papst spricht verfolgten Christen Mut zu

Benedikt XVI. ermunterte das irakische Volk, sich mit allen Kräften um Entwicklung und Stabilität zu bemühen. "Im Heiligen Land mögen Israelis und Palästinenser mutig den Friedensprozess wieder aufnehmen", sagte er. Der Papst sprach den Christen Mut und Hoffnung zu, die wegen ihres Glaubens "unter Diskriminierung und Verfolgung zu leiden haben".

Versöhnung wünschte Benedikt den leidenden Bevölkerungen am Horn von Afrika. "Dem Staat Mali, der einen politisch heiklen Moment erlebt, schenke der glorreiche Christus Frieden und Stabilität", sagte der Pontifex. "Nigeria war in letzter Zeit Schauplatz blutiger terroristischer Überfälle", klagte Benedikt. Am Sonntag gab es einen erneuten Anschlag auf eine Kirche dort, möglicherweise begangen von islamistischen Terroristen.

Am Karfreitagabend hatte Benedikt am Kolosseum in Rom den traditionellen Kreuzweg gebetet. Meditationen zu Problemen in Familie und Ehe prägten die Zeremonie. "In unserer Zeit ist die Situation vieler Familien erschwert durch die Unsicherheit der Arbeit und durch andere negative Auswirkungen der Wirtschaftskrise", sagte Benedikt.

Am Samstagabend feierte er gemeinsam mit Tausenden Gläubigen im Petersdom die Osternacht. Die dreistündige Messe begann im Dunklen. In der Hand eine hohe weiße Kerze, betrat Benedikt den Petersdom. Die dann auch von Gläubigen dann angesteckten Kerzen stellen die Auferstehung Jesu dar, an die von den Christen an Ostern weltweit erinnert wird. Die Zeremonie konnte auch auf großen Leinwänden auf dem Petersplatz verfolgt werden.

In seiner Predigt nannte der Papst Ostern das Fest der Neuschöpfung: "Jesus hat die Tür zu einem neuen Leben aufgestoßen, das keine Krankheit und keinen Tod mehr kennt." Die Auferstehung Jesu sei ein Zeichen, dass das Leben stärker als der Tod sei. "Das Gute ist stärker als das Böse. Liebe ist stärker als Hass. Die Wahrheit ist stärker als die Lüge", sagte Benedikt.

"Gott und das Gute vermögen wir nicht mehr zu identifizieren"

Der Papst mahnte zu einem kritischen Umgang mit dem technischen Fortschritt. Der Glaube sei die wahre Aufklärung, sagte er. "Wir wissen und können in den materiellen Dingen unerhört vieles, unser Wissen und unsere technischen Leistungen sind Legion, aber was darüber hinausgeht, Gott und das Gute, vermögen wir nicht mehr zu identifizieren."

Solange Gut und Böse aber nicht unterschieden werden könnten, "sind alle Erleuchtungen, die uns ein so unglaubliches Können ermöglichen, nicht nur Fortschritte, sondern zugleich Bedrohungen, die uns und die Welt gefährden."

Der Papst, der auch die Umwelt zum Thema seines Pontifikats gemacht hat, sagte weiter: "Heutzutage können wir unsere Städte so hell erleuchten, dass der Himmel nicht mehr zu sehen ist. Ist das nicht ein Bild der Probleme, die von unserer Version der Erleuchtung hervorgerufen wurde?"

Der 84-jährige Benedikt hatte sich bei der Osternacht wie schon an den Vortagen von einem Elektrowagen transportieren lassen, um Kräfte zu sparen. Das aus Bayern stammende Kirchenoberhaupt war erst vor wenigen Tagen von einer Reise aus Mittelamerika wiedergekehrt und wirkte angestrengt.

ab/dpa/dapd