Papstbesuch Rom liegt heute am Rhein
Köln - Der Mittelpunkt der katholischen Kirche befindet sich die nächsten vier Tage in Köln. Papst Benedikt XVI. wird gegen 12 Uhr auf dem Flughafen Köln/Bonn von Bundespräsident Köhler und Bundeskanzler Schröder empfangen. Gegen 10 Uhr war die Papst-Maschine, ein Airbus A321 der Alitalia, auf dem Flughafen Roma Ciampino gestartet. Nach seiner Landung fährt Benedikt XVI. zum Erzbischöflichen Haus in Köln, wo er bis Sonntag untergebracht sein wird.
Am Nachmittag will der Heilige Vater mit einem Passagierschiff auf dem Rhein bei Köln fahren und zu den mehreren Hunderttausend erwarteten Pilgern auf den "Poller Wiesen" am Rheinufer sprechen. Nach einem Gebet im Kölner Dom und einer Rede auf dem Roncalli-Platz in der City begibt sich Benedikt XVI. mit dem sogenannten Papa-Mobil auf eine Fahrt durch die Kölner Innenstadt. Am Abend geht im Kölner RheinEnergieStadion ein Kulturfestival unter dem Motto "Bridging the World" über die Bühne. Dort wird auch Popstar Cliff Richard auftreten.
Für den viertägigen Pontifex-Besuch am Rhein gilt die höchste Sicherheitsstufe. Ein Awacs-Aufklärungsflugzeug der Nato wird während des Weltjugendtages den Luftraum über Köln sichern.
Ein regelrechter Menschenstau hat gestern am späten Abend im Kölner Hauptbahnhof bewirkt, dass Dutzende von Pilgern des Weltjugendtages medizinisch behandelt werden mussten. Wie die Kölner Polizei heute mitteilte, befanden sich Tausende Teilnehmer der Veranstaltung gegen 23 Uhr auf dem Weg in ihre Quartiere, als Gedränge, Hitze und Stress bei einigen Kreislaufprobleme und Erschöpfungszustände auslösten. Elf Menschen mussten vorübergehend im Krankenhaus behandelt werden. Ernsthafte Gesundheitsschäden gab es jedoch nicht, sagte eine Sprecherin.
"Get Together von Fundamentaltheologie und Spaßgesellschaft"
In mehr als hundert Katechesen erläuterten gestern Bischöfe den Pilgern des Weltjugendtags den katholischen Glauben. In Kirchen, Konzertsälen und Messehallen kamen junge Gläubige in Köln, Bonn, Düsseldorf und Umgebung zu den Unterweisungen in vielen Sprachen zusammen. Bis Freitag nehmen alle Pilger aus 197 Ländern an einer solchen Katechese teil.
Bei Musikpicknicks und -festivals in Köln, Düsseldorf und Bonn setzte sich am Abend die fröhliche Stimmung fort, die das Weltjugendtreffen bislang prägte.
TV-Entertainer Harald Schmidt, der sich selbst als "größten Verehrer des Papstes auf Erden" bezeichnet, verkürzte eigens für den Papstbesuch seinen Urlaub. In der ersten Sendung nach der Sommerpause bezeichnete er das Event gestern kurz nach Mitternacht als ein "Get Together von Fundamentaltheologie und Spaßgesellschaft".
Genüsslich zitierte Schmidt Joachim Kardinal Meisner, nicht zuletzt mit dem "Nun lasst mal gut sein", mit dem der Kölner Erzbischof die begeisterten Jugendlichen beim Eröffnungsgottesdienst bremsen wollte. Mehr als 405.000 junge Christen sind in der Stadt. Da wolle er nicht abseits stehen, wenn Köln die "Welthauptstadt des Glaubens" werde, beteuerte Schmidt. 14 Pilgern aus El Salvador wurde in zwei VIP-Garderoben in Schmidts Studio Obdach geboten - streng nach Geschlechtern getrennt, was der Gastgeber nicht ohne ein gewisses Bedauern registrierte.
Der selbsternannte "Basiskatholik" Schmidt nutzte die Gelegenheit und gab ein Zitat von CSU-Chef Edmund Stoiber in leicht abgewandelter Form zum Besten: "Es kann nicht sein, dass die Frustrierten in Rom entscheiden, was in deutschen Schlafzimmern passiert." Dabei ist die umstrittene katholische Sexualmoral für Schmidt längst geklärt: "Verhütung ist erstens verboten und zweitens Frauensache."