Bayerischer Sänger landet mit Paris-Song Viralhit Ein kleines Lied gegen den großen Hass
Der große Mann sieht ganz klein aus. Unter der Holzvertäfelung der Dachschräge kauert er über seiner Gitarre, hält sich an ihr fest. Im Hintergrund das Poster eines erschossenen Soldaten, "Why?" prangt in großen Lettern darauf. "Ich hab zu viel Angst, um still zu sein", stimmt der Bärtige mit klarer Stimme an. "Es ist nur ein Lied, doch ich sing's nicht allein."
Diese Angst hat ihn am vergangenen Freitag ereilt. Als am Abend des 13. November die Bomben vor dem Stade de France explodieren, sitzen Millionen Fußballfans fassungslos vor den Fernsehbildschirmen. Unter ihnen ist auch der bayerische Liedermacher Alex Diehl. Und der kann seine Hilflosigkeit, seine Trauer nicht anders kanalisieren, er schreibt "ein kleines Lied".
Am Nachmittag des darauffolgenden Tages veröffentlicht der 27-Jährige das Schwarz-Weiß-Video des Songs auf seiner Facebook-Seite - und tritt eine virale Lawine los. Bis Donnerstagmittag wurde der Song beinahe sechs Millionen mal aufgerufen, über 150.000 Mal geteilt und tausendfach kommentiert.
In seinem ursprünglichen Post schreibt Diehl: "Ich versuche, in einem kleinen Lied ein wenig darauf Aufmerksam zu machen, dass es viele gibt, die sich eben nicht einschüchtern lassen, die dagegenhalten, mit Anstand, friedlich... bereit sind es zu versuchen, es schaffen zu wollen."
Bereits zuvor hatte Diehl der Streit um den Umgang mit Flüchtlingen und zunehmender Fremdenhass zu schaffen gemacht: "Nach wochenlangen Diskussionen mit Menschen, die so festgefahren sind in ihrer Wut und ihrem Zorn über die Umstände und die Menschen, die sie damit in Verbindung bringen (Flüchtlinge, Politiker usw...) habe ich mich nun in ein paar Zeilen ausgelassen und hoffe, es findet Anklang und wird weitergetragen."
Dass "Nur ein Lied" einen derartigen Anklang finden würde, damit hatte Diehl, der in Waging am See lebt, nicht gerechnet. "Ich bin sprachlos", postete er einen Tag später unter das Video. Dem Bayerischen Rundfunk erklärte er: "All das was sich bei mir über Wochen und Monate angestaut hat, habe ich aufgeschrieben. Ich hab den Text nicht einmal noch angefasst. Er war nach zehn Minuten fertig."
Gerade diese ungeschliffene Direktheit scheint in den sozialen Netzwerken ein großes Echo auszulösen. "Nur ein Lied" gibt der Angst und Ratlosigkeit nach Paris eine Stimme. Und es vermittelt einen Hoffnungsschimmer. Sein Song beendet Diehl mit den Worten: "Ihr könnt Hass verbreiten, Ängste schüren, doch Ihr werdet diesen Kampf verlieren, denn wie John Lennon glauben wir daran: The World will live as one."