Paris: Wieder Tote bei Brand in Einwandererhaus - DER SPIEGEL
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Paris Wieder Tote bei Brand in Einwandererhaus

Bei einem erneuten Brand in einer baufälligen Einwanderer-Unterkunft in Paris sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Drei weitere wurden schwer verletzt, als das Feuer in einem heruntergekommenen Gebäude im Stadtviertel Marais ausbrach.
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Paris - Das Feuer entstand gestern Abend aus noch ungeklärter Ursache. Ein Kind, das auf der Flucht vor den Flammen aus dem Fenster im vierten Stock gesprungen war, erlag in der Nacht seinen schweren Verletzungen, wie ein Feuerwehrsprecher am Unglücksort berichtete. Feuerwehrmänner fanden zudem eine verkohlte Leiche in dem teilweise ausgebrannten fünfstöckigen Gebäude an der Rue du Roi doré. Elf weitere Menschen wurden leicht verletzt. Etwa hundert Feuerwehrleute und 30 Löschzüge waren im Einsatz, nach etwa eineinhalb Stunden konnte die Flammen gegen 23.30 Uhr gelöscht werden.

Ersten Ermittlungen zufolge wurde das Feuer nicht vorsätzlich gelegt. Der Brand sei wohl auf eine Panne zurückzuführen, hieß es bei der Pariser Polizei. Den Angaben zufolge waren die Strom- und Wasserleitungen in dem Haus im Szeneviertel Marais vor dem verheerenden Brand in der Nacht in schlechtem Zustand gewesen. Das Feuer war im ersten Stock des fünfstöckigen Gebäudes ausgebrochen. Dort hatten nach Angaben von Bezirksbürgermeister Pierre Aidenbaum zwölf Einwandererfamilien aus der Elfenbeinküste gelebt, insgesamt etwa 40 Menschen.

In dem veralteten fünfstöckigen Wohnhaus lebten nach Angaben des Stadtteilbürgermeisters Pierre Aidenbaum zwölf Familien aus der Elfenbeinküste, insgesamt etwa 40 Menschen. Die Lebensbedingungen in dem Haus seien "nicht zumutbar" gewesen, die Bewohner sollten im September wegen geplanter Bauarbeiten umgesiedelt werden, sagte Aidenbaum.

Die Bewohner des Hauses hätten viel über das Feuer in einer Einwanderer-Unterkunft geredet, bei dem in der Nacht zum vergangenen Freitag 17 Menschen getötet wurden, berichtete Hausbewohner Bambaya Coumba, der in der Unglücksnacht gerade heimkehrte, als sein Haus in Flammen stand. "Wir hatten große Angst, weil unser Gebäude in schlechtem Zustand war", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben heute erst wieder darüber gesprochen."

Der Pariser Oberbürgermeister Bertrand Delanoë beklagte bei einem Besuch bei den Überlebenden des Unglücks in einem nahegelegenen Hotel, die hohe Zahl heruntergekommener Gebäude stelle ein "sehr schwerwiegendes Problem" in der französischen Hauptstadt dar. Er forderte die Regierung des Landes und der benachbarten Départements auf, sich der Missstände anzunehmen.

Delanoës Stellvertreter Yves Contassot berichtete am Unglücksort, mehrere der Hausbewohner, die ohne Papiere in Frankreich lebten, hätten vor den angekündigten Renovierungsarbeiten keinerlei Ersatzunterkunft bekommen. "Wir müssen aufhören, die Leute zu behandeln wie im 18. Jahrhundert", forderte er. Nach den Worten des Vize-Oberbürgermeisters gab es in dem Haus kein fließendes Wasser mehr, die Bewohner mussten sich an einem Wasserhahn auf der Straße versorgen.

René Dutrey vom Unternehmen SIEMP, dem das Wohnhaus gehört, sagte, dieses gehöre "zu den 423 schlimmsten baufälligen Gebäuden von Paris". Das Problem sei nicht das Geld, sondern das fehlende Wohnungsangebot für die Bewohner: "Solange man kein Wohnraumangebot schafft, wird man gezwungen sein, Leute zu bergen, die in den Gebäuden verbrennen", klagte er.

Die Organisation Recht auf Wohnung (DAL) kündigte für Samstag eine Demonstration zugunsten von Menschen in Elendsunterkünften an. Die französische Regierung war nach dem Brand in der vergangenen Woche wegen des Mangels an Sozialwohnungen in die Kritik geraten. Erst Mitte April waren bei einem nächtlichen Brand in einem als Einwanderer-Unterkunft genutzten Hotel 24 Migranten aus Afrika ums Leben gekommen.