Pariser Modenschauen: Erntekönigin im Kunsttempel - DER SPIEGEL
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Pariser Modenschauen Erntekönigin im Kunsttempel

Lange Warteschlangen und prall gefüllte Sitzreihen – die Pariser Pret-à-Porter-Schauen haben deutlich an Glamour gewonnen. Dior-Designer John Galliano setzt auf nackte Haut, Jean-Paul Gaultier hingegen hat den bäuerlichen Chic entdeckt.
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Paris - Tragbar bis ausgeflippt, so präsentierte der britische Designer John Galliano gestern seine Frühjahrskollektion für das Kult-Modehaus Dior. Fleischfarbene Kleider, nur mit schwarzer Spitze bedruckt, eröffneten die Show unter den Glasdächern des restaurierten Pariser Kunsttempels Grand Palais.

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Pret à Porter: Pariser Mode wird glamouröser

Foto: AFP

Im Laufe der Präsentation wurden die Entwürfe immer gewagter, Kleidungsstücke wirkten, als würden sie verkehrt herum getragen, einige Mäntel erinnerten in ihrer Struktur an die prächtigen Glaskuppeln des Grand Palais. Prominente Gäste waren begeistert von dem Mode-Spektakel in Paris. US-Schauspielerin und Dior-Model Sharon Stone hatte wegen des großen Medienandrangs Mühe, ihren Platz in der ersten Reihe zu erreichen. Auch Bernard Arnault, Chef der Dior-Gruppe, war Zeuge des ersten Auftritts eines Modehauses im renovierten Grand Palais. Gegen Ende der Show wurden die Farben freundlicher; Gelb-, Violett- und Grüntöne dominierten nun die Modelle.

Zuvor hatte der französische Designer Jean-Paul Gaultier bei seiner Präsentation eher Rustikales geboten. Stroh auf dem Laufsteg, Glockengeläut im Hintergrund und eine himmelblaue Kulisse brachten ländliche Atmosphäre in Frankreichs Hauptstadt. Seine Models defilierten in Bauernblusen mit schwarzer oder roter Kreuzstickerei, kombiniert mit Hosen, die bis unter die Brust reichen.

Gaultiers Show war gut besucht, allerdings beschlich die Zuschauer bisweilen das Gefühl, gleich werde die Erntekönigin gekürt. Hosen im Gutsherrenstil, anatomisch geschnittene Röcke im Look der vierziger Jahre und ein Kleid aus Ähren - der wohl dienstälteste "Wilde" der Modeszene nahm die Besucher mit auf eine Landpartie.

Lagerfeld wird legerer

Der japanische Designer Issey Miyake präsentierte sommerlich Leichtes bei seiner Schau. Meerblau gemusterte Trägerkleider und schwarze Fischnetz-Kreationen waren dem Element Wasser gewidmet. Bei seinen beigefarbenen Kostümen mit grünem Blattmuster ließ sich Miyake von japanischen Landschaftszeichnungen inspirieren. Den Schlusspunkt setzte er mit einem Kleid aus Korsettstangen - der gerüstartige Entwurf wirkte wie eine Robe aus Bambus.

Altstar Karl Lagerfeld setzt in seiner eigenen Linie Lagerfeld Gallery auf reduzierte Schnitte, klare Konturen und blasse Farben. Gestanzte Löcher finden sich als Thema auf Kleidern und Jackett-Kragen und gewähren Einblicke auf die bloße Haut. Lagerfeld nimmt mit überlangen weißen Hemden und Bermuda-Shorts wieder Anleihen aus der Herrenmode, insgesamt kommt seine Präsentation allerdings jugendlicher und legerer daher als in früheren Schauen.

Der Altmeister ist in diesen Tagen im Dauereinsatz: Vergangene Woche wurden seine Entwürfe für Fendi in Mailand gezeigt, heute seine eigene Linie, und am Freitag folgt die Präsentation für Chanel.