Pariser Modeschauen: Karl und die Märchenprinzessinnen - DER SPIEGEL
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Pariser Modeschauen Karl und die Märchenprinzessinnen

Karl Lagerfeld, Valentino und Christian Lacroix - in Paris haben die ganz Großen der Modebranche ihre neuesten Ideen vorgestellt. Vom klassischen Tweedanzug bis hin zum durchsichtigen Abendkleid reichte die Palette. Das Publikum war begeistert.
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Paris - Die Röcke sind etwas kürzer und die Silhouette einen Hauch schmaler - aber hinreißend klassisch sind sie auch in diesem Sommer, die Tweed-Kostüme der legendären Marke Chanel. Beim Haute-Couture-Defilee des Traditionshauses in Paris glänzte der deutsche Modemacher Karl Lagerfeld mit einer Garderobe, die für Märchenprinzessinnen genauso gemacht schien wie für die moderne Großstadtfrau.


Unter der gigantischen Glaskuppel des Grand Palais deklinierte der Mann mit dem silbernen Zopf seine bevorzugten Farben Schwarz und Weiß an Kostümen, langen Kleidern oder Hosenanzügen durch. Wie flexibel diese Mode ist, zeigten die Promis im Publikum: First Lady Bernadette Chirac applaudierte genauso wie Ex-Spice-Girl Victoria Beckham.

Schwarze Kleider mit superschmaler Taille und leicht ausgestellten Schultern kombinierte Lagerfeld mal mit kurzen Jäckchen mal mit taillierten leichten Mänteln. Als weißer Farbfleck diente eine angenähte Kamelie oder ein winziger weißer Kragen, Knöpfe bis zum Kinn oder auch mal der Jabot einer weißen Bluse. Das Tweed-Kostüm ist mal schlicht weiß, mal mit Schwarz abgesetzt, die Jacke ist mal klassisch mit großen Klappentaschen aufgepeppt, sie kann aber auch als kurzes Bolerojäckchen auftreten. Doch auch weniger brave Stücke brachte Lagerfeld auf den Laufsteg, Leggins und durchsichtige Kleider, geschmückt mit silberner oder goldener Stickerei. Und da Luxus aus den Haute-Couture-Kollektionen nicht wegzudenken ist, kommen auch Perlen, Steine und Straußenfedern zum Einsatz.

Mit purer Romantik verzauberte der französische Designer Christian Lacroix sein Publikum. Blumenmuster, Volants, Rüschen und Spitze dominierten die farbenprächtige Kollektion, die der Modemacher nach dem Defilee als eine "Rückkehr zu den Wurzeln" bezeichnete. Die Marke Christian Lacroix war im vergangenen Jahr von der US-Duty-Free-Firma Falic gekauft worden, soll aber weiterhin die kostspieligen Haute-Couture-Schauen in Szene setzen. Und so schien es, als könne Lacroix mal wieder auf allen Registern spielen: Ein roter Trenchcoat mit pinkfarbenen Rosen durchwebt und von zahlreichen Volants geziert, ein kurzes Torero-Jäckchen in schwarzem, goldbesticktem Organza, ein hautenges blaues Kleid mit goldenen und silbernen Blumen versetzten das Publikum in Begeisterungsstürme.

Luftig, herb und frech

"Ich hatte Lust, die Geschichte des Hauses noch einmal Revue passieren zu lassen", sagte Lacroix nach dem Auftritt - die erste Modenschau seiner Marke gab es im Jahr 1987. Inspiriert von mediterranen Menschen und Pflanzen, wurde die Kollektion vor dem Hintergrund von Gravierungen der südlichen Stadt Arles vorgeführt. "Die Sonne, Nelken, Rosen, bunte Drucke, das kann in alle Ewigkeit neu entdeckt werden", freute sich Lacroix. Die Gäste zollten dem Modemacher stehende Ovationen.

Luftig leicht oder herb maskulin ist die Mode im kommenden Sommer dagegen bei Givenchy. Seide, Musselin, Tüll und Taft in weich fließenden aber perfekt durchdachten Schnitten zeigte Designer Riccardo Tisci für die Traditionsmarke bei den Haute-Couture-Schauen im Pariser Museum Bourdelle. Dass die cremefarbenen romantischen Roben Kunstwerke sind, unterstrich der Modemacher, indem er seine Models nicht auf einem Laufsteg auftreten ließ, sondern sie in den diversen Sälen des Museums postierte. Zum Klang von Geigen und Cellos entdeckten die Gäste neben feenleichten Flatterkleidern auch sehr maskuline schwarze Hosen, die aber nicht nur gestreift, sondern auch mit Rosenmuster oder Spitze versehen waren.

Die Leichtigkeit der Kleider wurde durch den stetigen Einsatz von Federn unterstrichen, vom Strauß, vom Hahn oder gar vom Geier. Sie schmückten Büstiers oder umschmeichelten die Taille und zierten sogar Hosen. Drapierungen und Musselin-Kaskaden machten den romantischen Eindruck perfekt. Etwas frecher waren die Modelle im letzten Saal der Ausstellung, wo alle Kleider knallrot waren: Manche glitzerten voller Pailleten und Strass, andere hatten aus Tüllrosen geformte Korsagen oder waren aus rotem Musselin.

Dominique Schroeder, AFP