Pariser Modeschauen Verführung auf dem Laufsteg
Paris - Während draußen die kalte Winterluft klirrte, ließ Galliano in einem riesigen Zelt im Polostadion des Bois de Boulogne leicht bekleidete Damen in sommerlichen Outfits von frivol bis züchtig aufmarschieren. Rot, Rot und nochmals Rot ist die Farbe für die kommende warme Saison - so jedenfalls sieht es der exzentrische Brite, der rote Kleider, Jacken und Capes für seine verwöhnten Kundinnen entwarf. Leder bleibt dabei eines seiner liebsten Materialien.
Zwei Höhepunkte hat jede Dior-Kollektion, und auch diesmal fehlten sie nicht: Das Brautkleid ganz am Schluss, gefolgt vom Auftritt des Meisters persönlich. Das Kleid für den schönsten Tag im Leben einer Frau ist in dieser Saison cremefarben, ihm wird mit einer Art Krinoline zu Volumen verholfen, und während im Rücken die Stoffmassen wallen, trug die junge Braut ein Medaillon mit der Aufschrift: "Liberté, Egalité, Fraternité" (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Danach sprang Galliano auf die Bühne - Blitze und Donner kündeten von seiner Ankunft - und schwang ein Schwert.
Doch zuvor hatte der Brite seine Mode für reiche Damen ohne Komplexe vorgeführt. Luxus, Verführung, Frivolität und Erotik waren die Schlagwörter, die den Stardesigner der Luxusmarke für seine Kollektion inspirierten. Zur Wahl stehen für diesen Sommer ein Umhang aus rotem Satin, ein rotes, reichbesticktes Organzakleid, ein roter Mantel aus Leinen oder eine rote Lederjacke. Wer diese Farbe nicht mag, kann sich bei cremefarbenen Lederhosen oder braunen Lederjacken bedienen - das ganze handbemalt, um dem Ruf der Haute Couture gerecht zu werden.
Denn die Herstellung der Einzelstücke, die auf den Haute-Couture-Schauen präsentiert werden, dauert oftmals Hunderte von Stunden. Stickerei, Malerei, Spitze und Federschmuck werden in mühseliger Handarbeit angefertigt und auf die Modelle übertragen. Wie viele und welche Kundinnen die Haute Couture noch hat, wird von den Häusern nicht preisgegeben, doch kommen viele der gutbetuchten Damen aus den reichen Herrscherhäusern des Nahen Ostens. Bei vergangenen Shows hatte Frankreichs First Lady Bernadette Chirac noch die Mode von Jean-Louis Scherrer bewundert, doch der warf in dieser Saison - wie viele andere vor ihm - das Haute-Couture-Handtuch.
Die Dior-Show war ein erster Höhepunkt der dreitägigen Defilees, die heute mit der Kollektion des deutschen Stardesigners Karl Lagerfeld für Chanel fortgesetzt werden sollen. Neben den acht verbleibenden Couture-Häusern, zu denen auch Jean-Paul Gaultier oder Givenchy gehören, präsentieren sich auch ausländische Gastdesigner mit sehr viel Erfolg, so der Italiener Giorgo Armani, der gestern seine Linie "Giorgio Armani Privé" vorstellte, der italienische Klassiker Valentino oder der Libanese Elie Saab. Auch viele junge Modemacher stellen im inoffiziellen Teil des Programms ihre Modelle vor, um sich ihre Sporen zu verdienen.
Dominique Schroeder, afp