Pascal-Prozess Das Schweigen einer Mutter
Saarbrücken - Warum die Mutter ihrem gepeinigten Sohn nicht zur Hilfe eilte, wollte die 40 Jahre alte Frau nicht sagen. Der Junge überlebte - im Gegensatz zu seinem Spielkamerad Pascal - die mehrfache Vergewaltigung.
Die Mutter des Jungen sagte aus, sie habe zwei Mitangeklagte dabei beobachtet, wie sie mit ihrem Kind ins Hinterzimmer der "Tosa-Klause" gingen. Danach habe sie Schreie ihres kleinen Jungen gehört. Bei einer weiteren Vergewaltigung ihres Sohnes sei sie Augenzeugin gewesen, sagte die Angeklagte, die als geistig zurückgeblieben gilt. Ihren Angaben zufolge vergewaltigte ein Mann ihren Sohn in der Wohnung eines 61-jährigen Mitangeklagten.
Die Hauptangeklagte Christa W., Ex-Wirtin der "Tosa-Klause" und vorübergehend Pflegemutter des Jungen, hat nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft den Sohn der 40-Jährigen geschlagen und verwahrlosen lassen. Zu diesen Vorwürfen schwieg die Mutter ebenfalls.
Der vor zwei Jahren bereits bekannt gewordene Missbrauch dieses anderen Kindes hatte die Ermittler im Fall Pascal Monate nach dessen Verschwinden am 30. September 2001 erst auf die Spur der mutmaßlichen Kinderschänder gebracht. Insgesamt müssen sich 13 Männer und Frauen wegen Mordes, schweren sexuellen Kindesmissbrauchs oder Beihilfe zu beiden Taten verantworten. Pascals Leiche wurde nie gefunden.
Die 40-jährige Beschuldigte hatte zuvor bereits zugegeben, den kleinen Pascal am 30. September 2001 auf einer Pritsche in der Bierkneipe festgehalten zu haben, während er von Mitbeschuldigten missbraucht worden sei. Schließlich habe das Kind nicht mehr geatmet. Mit diesen Aussagen bestätigte sie zu großen Teilen die vorherigen Angaben einer weiteren Angeklagten.
Ein 43 Jahre alter Mann, der wegen Beihilfe angeklagt ist, erklärte heute überraschend, er wolle sich ebenfalls zur Sache äußern. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.