Pascal-Prozess eröffnet Zwei Angeklagte wollen aussagen
Saarbrücken - Fast drei Jahre nach dem spurlosen Verschwinden des damals fünfjährigen Pascals hat vor dem Landgericht Saarbrücken der Prozess gegen seine 13 mutmaßlichen Mörder und Vergewaltiger begonnen. In der rund 40-minütigen Verlesung der Anklageschrift wurden erschütternde Einzelheiten des vermuteten Tatablaufs im Gerichtssaal genannt.
Während die Angeklagten der Verlesung weitgehend emotionslos und teilweise sogar amüsiert folgten, sonst aber schwiegen, ließen zwei der Verdächtigten mitteilen, dass sie zur Aussage bereit seien. Eine der aussagebereiten Personen, die 40-jährige Andrea M., gilt laut einem Gutachten als geistig stark zurückgeblieben. Sie ist die Mutter eines wie Pascal ebenfalls missbrauchten neunjährigen Jungens, dessen Aussage den Fall erst ins Rollen brachte. Ein Antrag der Verteidigung auf Ausschluss der Öffentlichkeit während ihrer Aussage wurde vom Gericht aufgeschoben.
Insgesamt stehen in Saarbrücken 13 Männer und Frauen im Alter von 36 bis 62 Jahren vor Gericht, die meisten sind Arbeitslose, Hilfsarbeiter oder Vorbestrafte. Sechs davon - vier Männer und zwei Frauen - werden des Mordes und des Missbrauchs beschuldigt, die übrigen der Beihilfe.
Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft wurde Pascal am 30. September 2001 von den vier hauptangeklagten Männer im Hinterzimmer der Gaststätte "Tosa-Klause" vergewaltigt. Auch zwei andere Kinder sollen brutal vergewaltigt worden sein. Die beiden Frauen hätten Pascal dabei festgehalten und ihm den Kopf in ein Kissen gedrückt, als es geschrien habe. Dabei soll das Kind erstickt oder an seinen Verletzungen durch die Misshandlungen gestorben sein.
Die übrigen Angeklagten waren laut Staatsanwaltschaft Gäste der Klause und sollen mitgeholfen haben, die Taten zu verbergen. In der Kneipe seien häufiger Kinder missbraucht und Frauen zur Prostitution angeboten worden. Die Leiche soll in einer Sandgrube in Frankreich verscharrt worden sein, die Leiche wurde jedoch nie gefunden.
Der Vorsitzende Richter erklärte unterdessen, es seien am ersten Prozesstag mehrere Hinweise eingegangen, wonach Pascal in Amsterdam oder Paris noch am Leben sein könnte. Es würden mit der zunehmenden Medienberichterstattung über das Verfahren voraussichtlich nicht die letzten derartigen Nachrichten bleiben. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, sie werde die Hinweise prüfen. Der Prozess, zu dem bislang 102 Zeugen und fünf Sachverständige geladen sind, wird voraussichtlich mehrere Monate dauern.