Pazifik Schweres Beben auf Hawaii
Honolulu - Das Beben ereignete sich um 7.07 Uhr Ortszeit rund 16 Kilometer nordwestlich der Stadt Kailua Kona an der Westküste. Betsy Garties, eine Einwohnerin von North Kohala, berichtete, sie habe zuerst ein lautes Rumpeln gehört. "Dann begann das Haus zu wackeln und Glas zersplitterte." Die Erdstöße seien so stark gewesen, dass sie bei der Flucht aus ihrem schwankenden Haus fast das Gleichgewicht verloren hätte.
"Die ganze Region wurde erschüttert. Es war ein kräftiges Beben", sagte Victor Sardina vom Pazifischen Tsunami-Zentrum. Die Erschütterungen hätten eine Reichweite von mehr als 240 Kilometern gehabt. Nach dem zweiten schweren Beben sieben Minuten später habe es 20 weitere Nachbeben gegeben. Eine Tsunami-Gefahr bestand nach Angaben des Experten aber nicht. Bei einem Tsunami in Asien waren im Dezember 2004 mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen.
Das Beben habe Schäden an Gebäuden und Straßen in ganz Hawaii angerichtet, sagte die Gouverneurin des US-Staates, Linda Lingle. Die Erschütterungen scheinen nach vorläufigen Erkenntnissen aber keine Todesopfer oder Verletzte gefordert zu haben. Der Zivilschutz erklärte, es gebe bislang keine Berichte über Verletzte. Lingle sagte dem Radio KSSK, sie habe keine Kenntnis von möglichen Todesopfern. Don Blakeman vom Nationalen Erdbebeninformationszentrum sagte, es gebe zwar keine Tsunami-Gefahr im Pazifik, allerdings könnten große Wellen Hawaii erreichen. Am Montag könne es außerdem zu Nachbeben kommen.
Vor Anker liegende Kreuzfahrtschiffe wurden aufgefordert, Urlauber an Bord zu behalten, weil "nicht Tausende von Touristen" auf Big Island erwünscht seien. Schiffe mit Ziel Hawaii wurden angewiesen, ohne Stopp auf den Inseln zum nächsten Hafen auf ihrer Route weiterzufahren. Gouverneurin Lingle forderte die Menschen auf Hawaii auf, zu Hause zu bleiben und nicht mit dem Auto zu fahren. Die Behörden riefen außerdem dazu auf, das Telefon oder Mobiltelefone nur bei Notfällen zu benutzen.
Auf der Insel Big Island kam es nach Angaben des US- Nachrichtensenders CNN nach dem Erdbeben zu Panik. Ein Highway, der parallel zur Küste verläuft, sei von einem Erdrutsch verschüttet worden. Wie die Zeitung "Honolulu Advertiser" auf ihrer Internet-Seite berichtet, entstanden am Krankenhaus von Kona sowie zwei weiteren Gebäuden größere Schäden.
Ein Sprecher des Zivilschutzes teilte mit, auf allen Inseln sei der Strom zumindest teilweise ausgefallen. Auf der Hauptinsel Oahu hätten 95 Prozent der Haushalte keine Elektrizität. Die Behörden erklärten, auch starker Regen habe in einigen Fällen zu Stromausfällen geführt. Dadurch steckten zahlreiche Menschen in Fahrstühlen fest.
Das Epizentrum lag rund 250 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Honolulu auf der Insel Hawaii (Big Island). Die Strände von Kailua und Kona gehören zu den wichtigsten Touristenzielen auf der Vulkaninsel. Die Region gilt als geologisch sehr aktive Zone. Auf der Insel befindet sich der Vulkan-Nationalpark. Aus dem Vulkan Pu'u O fließt jede Woche so viel Lava, dass damit die gesamte Hauptstadt Washington asphaltiert werden könnte.
Hawaii ist der 50. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika. Auf der Inselkette im Pazifischen Ozean leben mehr als 1,2 Millionen Menschen. Die größte Insel ist Big Island: Sie ist 149 Kilometer lang und 122 Kilometer breit. Hier liegt auch der höchste Vulkan der Inselkette, der Mauna Kea. Er erreicht eine Höhe von etwa 4 200 Meter über dem Meer. Seine Basis liegt in 5000 Metern Wassertiefe.
fok/dpa/AP/Reuters