Peking: Polizei überwältigt Geiselnehmer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Peking Polizei überwältigt Geiselnehmer

Eine Geiselnahme im Büro der Nachrichtenagentur Reuters in Peking ist unblutig zu Ende gegangen. Ein angeblich mit einer Bombe bewaffneter Mann hatte die Redaktion gestürmt und mehrere Angestellte in seine Gewalt gebracht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Peking - Wenige Stunden nach Beginn der Geiselnahme stürmte die Polizei das Gebäude und nahm den Geiselnehmer fest. Die angebliche Bombe in seiner Tasche entpuppte sich als Attrappe.

Der Mann war am Mittwochmorgen in das Büro der Nachrichtenagentur eingedrungen. Zunächst hielt er mehrere Angestellte in seiner Gewalt, ließ diese später aber frei. Nach Angaben von Reuters bedrohte der Geiselnehmer die Journalisten und forderte sie auf, über Korruption in der chinesischen Regierung zu berichten.

Nach etwa zwei Stunden ließ der Geiselnehmer die Angestellten unverletzt gehen und blieb allein in dem Büro der Agentur im sechsten Stock eines Hochhauses zurück. Vor dem Gebäude zog die Polizei Sicherheitskräfte zusammen, darunter Spezialkräfte in kugelsicheren Westen und einen Scharfschützen. Sie brachten Hunderte von Büroangestellten aus dem Gebäude in Sicherheit. Mehrere Feuerwehrfahrzeuge hielten sich in Bereitschaft.

"Ich mache das für die Gerechtigkeit", sagte der Geiselnehmer, der laut Reuters zwischen dreißig und vierzig Jahre alt ist. Er hatte eine Tasche bei sich, aus der Drähte herausragten. Der Mann stellte sich den Journalisten als Fang Qinghui vor und sagte, er sei seit ungefähr fünf bis sechs Jahren arbeitslos. Zuletzt habe er als Fahrer in einer Stahlfabrik in der im Norden gelegenen Provinz Heilongjiang gearbeitet.

"Ich will, dass die ganze Welt weiß, wie schlecht China ist, wie korrupt es ist", sagte er. Wie von ihm verlangt machte ein Kamerateam Aufnahmen von dem Mann. Dabei hielt er einen Daumen an einen roten Knopf, der an einem Kabel befestigt war, das in die Tasche führte.

Korruption in den staatlichen Firmen und Verwaltungen zählt zu den größten Problemen des kommunistischen Landes. Derzeit tagt der Nationale Volkskongress in Peking, das Parlament des Landes, und wählt eine neue politische Führung.