Klüger werden mit: Peter Berger
SPIEGEL: Herr Berger, mit Ihrem Buch »Flotte Schreiben vom Amt« möchten Sie Beamten das Amtsdeutsch austreiben. Wollen die Beamten denn umlernen?
Berger: Die Idee für die Stilfibel hatte der Landrat des Kreises Harburg. Er rief mich an, weil er selbst die Schreiben seiner Kollegen manchmal nicht verstand. Dann haben wir uns zusammengesetzt: Die Beamten haben das fachliche Input geliefert, ich das sprachliche.
SPIEGEL: Wenn nicht mal die Beamten das Amtsdeutsch mögen, warum existiert es dann überhaupt?
Berger: Wenn ein Beamter einen Bescheid verschickt, hat er Angst, eine juristische Feinheit zu übersehen. Um sicherzugehen, übernimmt er deshalb die komplizierten Gesetzestexte, die von Juristen für Juristen verfasst worden sind.
SPIEGEL: Verstehen die Beamten denn selbst, was sie schreiben?
Berger: Nur in ihren Bereichen. Im Bauamt ist klar, dass »Stellen Sie die Anleiterbarkeit sicher« heißt: »Stellen Sie sicher, dass die Rettungsleitern der Feuerwehr am Gebäude angelehnt werden können.« Das versteht im Sozialen Dienst keiner, dafür wissen die Beamten dort, was mit Verselbständigkeitsanalyse gemeint ist: eine Prüfung, ob ein Behinderter fremde Hilfe benötigt.
SPIEGEL: Was raten Sie den Beamten?
Berger: Ich empfehle, keine Abkürzungen zu verwenden. Welcher Bürger weiß schon, dass »i. S. d. G.« im Sinne des Gesetzes bedeutet. Auch rate ich, Floskeln zu vermeiden. »Es kann damit gerechnet werden, dass der Vorgang erst nach erfolgter Vorlage der Nachweise abgeschlossen werden kann« ist überflüssig. Besser: »Bitte schicken Sie mir die Nachweise, damit ich den Vorgang abschließen kann.« Beispiele für verkorkstes Bürokratendeutsch gibt es genug. Erst kürzlich habe ich ein Fax von der BfA bekommen, zehn Seiten lang. Ich habe keinen Satz verstanden.