Klüger werden mit: Peter Eicher
SPIEGEL: Der Gauverband I des Bayerischen Trachtenverbands hat gerade entschieden, dass seine Mitglieder nicht mehr in volkstümlichen TV-Sendungen auftreten dürfen. Warum?
Eicher: Wir wollen nicht, dass das Volkstümliche mit echtem bayerischen Brauchtum vermischt wird, und wollen auch nicht länger mit ansehen, wie unsere Volkskultur verschaukelt wird.
SPIEGEL: Inwiefern?
Eicher: In Sendungen wie dem »Musikantenstadl« werden Lederhosen zu T-Shirts getragen, der Landhausstil als Tracht verkauft - nichts passt zusammen. Ein traditionsbewusster Mensch ist entrüstet, wenn er so etwas sieht. Auch das Liedgut wird verschandelt. In diesen Sendungen wird im Winter der Enzian besungen, dabei sind unsere Lieder dem Jahreskreis angepasst. Und Jodeln ist im Fernsehen kein Jodeln, das ist Zungenakrobatik.
SPIEGEL: Aber vielen Zuschauern gefällt das.
Eicher: Das ist ja auch in Ordnung. Aber die sollen dann nicht denken, dass das, was sie sehen, Bayern ist. Bei einer solchen Außendarstellung müssen wir uns nicht wundern, wenn uns alle für Seppel halten.
SPIEGEL: Dem Gauverband I gehören über 40 000 Mitglieder an. Wie werden Sie überprüfen, ob ein Mitglied in diesen Sendungen auftritt?
Eicher: Das sind doch immer die Gleichen. Meistens erfahre ich von einem Auftritt im Vorfeld. Da gibt's Nachbarvereine, irgendwer kennt irgendwen, der es uns meldet.
SPIEGEL: Haben Sie mit einigen Sündern vor dem Beschluss gesprochen?
Eicher: Selbstverständlich. Es gab viele persönliche Gespräche. Aber die denken nach wie vor, dass sie nichts falsch machen.