Peter Lilienthal – Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Peter Lilienthal, 95

• aus DER SPIEGEL 19/2023
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Ali Paczensky

Auf dem Papier war der Regisseur Peter Lilienthal, Jahrgang 1927, ein unwahrscheinlicher Vertreter des Neuen Deutschen Films. Zum einen war er rund 20 Jahre älter als Mitstreiter wie Wim Wenders, zum anderen war sein Werk nicht auf sein Geburtsland fixiert.

Doch das Versprechen, mit Filmen neue, herausfordernde Perspektiven auf Deutschland zu entwickeln, löste er wie kaum ein Zweiter ein. In Berlin geboren, musste Lilienthal 1939 mit seiner jüdischen Mutter nach Uruguay fliehen. Als er 1954 nach Westdeutschland zurückkehrte, begann er ein Film- und Fotografiestudium, an das sich bald eine Festanstellung beim Südwestfunk und erste experimentelle Filme fürs Fernsehen anschlossen.

1970 gab Lilienthal mit »Malatesta« sein Kinodebüt. Es folgte eine Reihe von Arbeiten über lateinamerikanische Militärdiktaturen, 1979 feierte er mit »David« schließlich einen seiner größten Erfolge. Die Geschichte eines jüdischen Jugendlichen, der den Naziterror in Berlin überlebt, wurde auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Insgesamt dreimal wurde Lilienthal mit dem Deutschen Filmpreis geehrt; als Mitbegründer des einflussreichen Filmverlags der Autoren sowie als Dozent an der Kölner Kunsthochschule für Medien prägte er die deutsche Filmkultur weit über das eigene Schaffen hinaus. Peter Lilienthal starb am 28. April in München.

hpi
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