Peter Scheer - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Peter Scheer

Der 51-jährige Psychotherapeut über Führungskräfte und ihr Privatleben
• aus DER SPIEGEL 24/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Kein Manager hat ein glückliches Familienleben - das ist zumindest der Eindruck, den man beim Lesen Ihres Buches »Managen und Lieben« bekommt.

Scheer: Ein echter Karrieremensch, der dem Erfolg alles unterordnet, fühlt sich subjektiv sehr wohl, auch wenn seine Frau sich zu Hause um alles kümmert und er die Kinder nur schlafend sieht. Aber wenn diese Leute »wir« sagen oder »uns«, dann meinen sie die Firma.

SPIEGEL: Trotzdem behaupten fast alle, Frau und Kinder seien ihnen am wichtigsten und der Job eine Last.

Scheer: Unsere Studien haben bewiesen, dass die Lebens- und Arbeitsverteilung genau umgekehrt ist. Aber Führungskräfte reden sich gern ein, sie würden nur rackern, um ihrer Familie etwas bieten zu können. Kaum einer gibt zu, dass der Job ihm einfach Spaß macht: Arbeiten ist oft einfacher als leben.

SPIEGEL: Aber manche wären vielleicht tatsächlich gern öfter zu Hause.

Scheer: Sicher, gerade die weiblichen Führungskräfte. Wir haben sie die »Zerrissenen« genannt. Sie entkommen dem Druck der Arbeit nicht, und zu Hause tappen sie in eine Versachlichungsfalle: Die Familie funktioniert nach der kalten Logik eines Dienstleistungsunternehmens, die Gespräche drehen sich nur um Schulergebnisse und Organisatorisches.

SPIEGEL: Was kann man dagegen tun?

Scheer: Die Manager müssen einsehen: Familie und Partnerschaft brauchen Zeit und Pflege - sonst ist der Erfolg im Beruf mit privatem Unglück verbunden. Die Skandinavier schaffen das auch: Da gilt allgemein, dass jeder bis zum späten Nachmittag sein Tagespensum erledigt haben sollte. Wenn eine schwedische Firma bei uns einen Betrieb übernimmt, ist das für die Manager schon ein Kulturschock.

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