Petra Schürmann im Interview: "Schönheit ohne Glamour" - DER SPIEGEL
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Petra Schürmann im Interview "Schönheit ohne Glamour"

Einmal die schönste Frau der Welt sein. Für Fernsehmoderatorin Petra Schürmann ging der Traum vieler Frauen in Erfüllung. Als bisher einzige Deutsche bekam sie 1956 in London die mit Brillanten gespickte Krone der "Miss World" aufgesetzt.
Von Meike Kirsch
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"So ein Titel macht nicht eitel", sagt die 67-Jährige. "Ich und die schönste Frau der Welt? Da muss ich immer nur daran denken, wie viele Schönheiten vom Wettbewerb damals gar nichts wussten." Sie habe sich auf ihre Erfolge bei Miss-Wahlen nie etwas eingebildet. "Das war eine Phase in meinem Leben, mehr nicht."

Ruppiger Empfang in London

Diese Phase begann 1956. Mit einem geliehenen Kleid im Koffer fuhr Petra Schürmann zum "Miss World"-Wettbewerb nach London. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Die Erinnerung an den Krieg war noch lebendig, die britische Presse empfing die amtierende "Miss Germany" ruppig. "Als Deutsche hatte ich es sehr schwer", sagt Schürmann. Doch das Experiment gelang. Durch ihre unbefangene Art gewann die damals 23-Jährige schnell Sympathien, auch die der Jury.

Auf ihren Sieg folgte Cocktail-Party um Cocktail-Party. Schürmann erinnert sich ungern daran. "Das war nicht meine Welt." Mehr beeindruckt hat sie dagegen das Geschenk eines jüdischen Journalisten, ein Buch - mit "lauter Bildern vom Holocaust". Die frisch gewählte "Miss World" war geschockt, aber auch stolz auf eine Widmung, die der Reporter auf die erste Seite gekritzelt hatte: "Mein Hass auf Deutschland hat sich gelegt. Wegen Ihnen."

"Niemand ist schöner als die Jungfrau Maria"

Die Schattenseiten ihres unerhofften Erfolges lernte die gebürtige Mönchengladbacherin nach ihrer Rückkehr kennen. Sie bekam Telegramme mit Beschimpfungen, musste sich das Getuschel der Menschen in ihrem Heimatort anhören. Für Schönheitsköniginnen hatten die Deutschen noch nichts übrig.

Weil der Pfarrer an einem Sonntag auch noch "Niemand ist schöner als die Jungfrau Maria" predigte, floh sie schließlich aus dem Rheinland und setzte ihr Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Theologie in München fort - unter ihrem zweiten Vornamen.

Früher Glamour, heute Massenauftrieb

Mittlerweile werden unzählige Beauty-Queens gekürt. Kaum ein Wochenende, an dem keine Miss-Wahl stattfindet. "Früher war es Glamour, heute ist es ein Massenauftrieb", beschreibt Schürmann die inflationäre Entwicklung der letzten Jahre. "Es gibt einfach zu viele Wettbewerbe. Die interessieren mich überhaupt nicht." Sprungbrett für eine große Karriere auf Leinwand oder Fernsehschirm seien Miss-Wahlen längst nicht mehr.

"Mir sträuben sich die Haare, wenn ich höre, dass jemand die Schule wegen so was abbricht", sagt Schürmann. Oft seien es gar nicht die Mädchen selbst, die auf Karriere statt auf Schulabschluss setzten. "Sie werden von ihren Müttern aufgestachelt. Alle sehen sie in der Tochter die neue Claudia Schiffer. Schlimm", urteilt Schürmann. Sie selbst schlug nach ihrem Titelgewinn Angebote aus, obwohl der Strumpfhersteller "Opal" mit Nylons und Verträgen lockte. "Ich wollte weiter studieren, und zwar sofort. Heute bin ich froh darüber."

Schönheit ist eine Frage der Proportionen

Für die einstige "Miss World" ist Schönheit vor allem eine Frage der Proportionen: "Mädchen mit überlangen Beinen finde ich einfach nicht mehr schön." Es komme darauf an, dass die Nase zum Mund passe und das Gesicht wieder zum Körper - innere Werte seien unwichtig. "Das ganze Geschwätz darüber finde ich verlogen. Oder haben Sie schon mal einen Mann gesehen, der mit inneren Werten ins Bett geht? Ich nicht. Leider."