Pferd im Ohr - DER SPIEGEL
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MUSIK Pferd im Ohr

• aus DER SPIEGEL 1/2005
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Singvögel haben es, Genies auch, und so kennen Lernforscher, Ornithologen und Musiker gleichermaßen das seltene Phänomen des absoluten Gehörs, jene Fähigkeit, die bereits 1763 im »Augsburger Intelligenz-Zettel« für den jungen Mozart beschrieben wurde - ohne Referenzton den exakten Ton bestimmen zu können, ja, selbst das Ticken einer Taschenuhr womöglich als hohes Cis einzuordnen. Die Gabe ist im westlichen Kulturkreis äußerst selten - aber was begünstigt die Entstehung? Ein kalifornisch-chinesisches Forscherteam hat erstmals eine kulturübergreifende Vergleichsstudie erstellt. Die Wissenschaftler verglichen die Fähigkeiten von chinesischen Nachwuchsmusikern mit denen ihrer amerikanischen Kollegen aus Rochester im Bundesstaat New York. Ergebnis: Die Chinesen waren ihren westlichen Kollegen spektakulär überlegen. Die Ursache, vermuten die Wissenschaftler, liegt in dem Hörtraining, welches durch eine tonale Sprache wie Mandarin bedingt ist; hier kann ein Laut wie »ma«, je nach Tonhöhe, mal Mutter, mal Pferd bedeuten. In atonalen Sprachen wie Englisch oder Deutsch gehe das absolute Gehör, das Kleinkinder noch besitzen, meist verloren.

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