Philippinen: Der Nervenkrieg geht weiter - DER SPIEGEL
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Philippinen Der Nervenkrieg geht weiter

Wieder einmal wurde es nichts mit einer angekündigten Freilassung der schwer kranken Renate Wallert. Die philippinischen Unterhändler konnten am Samstag nichts erreichen. Zuvor hatten sie eine Abmachung mit den Entführern bekannt gegeben, wonach diese die deutsche Geisel gehen lassen wollten. Inzwischen werden auch neun Journalisten vermisst.
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Jolo/Cotabato - Auch auf die Freilassung des ebenfalls erkrankten Franzosen Stephane Loisy hatten die Unterhändler ihre Hoffnung gesetzt. Die beiden Geiseln werden gemeinsam mit 19 weiteren Menschen seit knapp drei Wochen im Dschungel der Insel Jolo gefangen gehalten.

Seit Samstag werden zudem neun ausländische Journalisten auf Jolo vermisst, die sich auf den Weg zu den Entführern gemacht haben sollen. Laut Polizei handelt es sich hauptsächlich um französische Reporter.

Zunächst waren zwölf Journalisten als vermisst gemeldet worden, die sich am Samstagmorgen auf den Weg zu der Ortschaft Patikul gemacht hatten, in deren Nähe sich die Abu Sayyaf-Entführer aufhalten. Drei Journalisten kehrten unterdessen wieder zurück, sie hatten lediglich einen Ausflug an den Strand unternommen. Es soll sich bei den Vermissten unter anderem um Angestellte der französischen Fernsehsender TF1 und France 2, einen Reporter der französischen Nachrichtenagentur AFP und eine norwegische Rundfunkjournalistin handeln. Casimiro erklärte, er habe die Journalisten immer wieder davor gewarnt, die Inselhauptstadt Jolo zu verlassen. Journalisten vor Ort vermuten nach Informationen von SPIEGEL ONLINE, dass ihre Kollegen Kriminellen in die Hände gefallen sind, die nichts mit den Abu-Sayyaf-Rebellen zu tun haben. Möglicherweise haben Verbrecher den Journalisten Gespräche mit den Rebellen versprochen und sie so in einen Hinterhalt gelockt.

Die Abu-Sayyaf-Kämpfer forderten in Gesprächen mit den Vermittlern einen völligen Rückzug des Militärs als Vorbedingung für den Beginn formaler Verhandlungen, wie Präsidentensprecher Robert Aventajado mitteilte. Eine Liste mit weiteren Forderungen würden die Entführer erst zu Beginn der Verhandlungen vorlegen, sagte Aventajado. Zuvor hatte ein Unterhändler, der nicht namentlich genannt werden wollte, erklärt, die Geiselnehmer hätten zugestimmt, Wallert und möglicherweise auch Loisy noch am Samstag freizugeben. Der Gesundheitszustand der 57-jährigen Lehrerin aus Göttingen hat sich laut Aventajado in den vergangenen Tagen gebessert. Ihr Blutdruck habe sich stabilisiert.

Das Auswärtige Amt in Berlin schätzte die Lage im Geiseldrama angesichts widersprüchlicher Meldungen als "völlig unübersichtlich" ein. Es bleibe "völlig offen", ob und wann Geiseln frei gelassen würden, sagte eine Sprecherin am Samstag.

Moro-Rebellen entführen 40 Dorfbewohner

Rund 1000 Mitglieder der Moro Islamic Liberation Front (MILF) haben am Samstag ein abgelegenes Dorf im Süden der Philippinen gestürmt, Lebensmittel gefordert und 40 Dorfbewohner entführt, berichteten das philippinische Militär und der Rundfunksender DXMS. Die Entführer seien in den frühen Morgenstunden in zwei Gruppen in den Ort Pamantingan bei Sultan Kudarat eingefallen, hätten in die Luft gefeuert und alle Einwohner gezwungen, aus ihren Häusern zu kommen. Die Rebellen hätten etwa 100 Dorfbewohner umzingelt und Reis und andere Lebensmittel verlangt, berichtete DXMS. Die meisten Einwohner ließen die Rebellen dann gehen, flüchteten aber mit etwa 40 Menschen in die Berge. Soldaten, die die Verfolgung aufnahmen, lieferten sich nach Militärangaben Gefechte mit den Entführern. Die MILF kämpft für einen unabhängigen islamischen Staat im Süden des Landes.