Philippinen Entführer setzen sich mit drei Geiseln ab
Manila/Jolo - Die islamischen Abu-Sayyaf-Kämpfer hätten sich schon am Sonntag mit drei europäisch aussehenden Geiseln von der eingeschlossenen Hauptgruppe abgesetzt, berichteten philippinische Militärs. Bei den Geiseln soll es sich um zwei Frauen und einen Mann handeln. Die Gruppe sei widerstandslos durch einen Teil des Rings gelassen worden, der von Verbündeten des Militärs kontrolliert worden sei.
Die philippinische Regierung hat ihre Vermittlungsversuche am Dienstag deutlich verstärkt. Auf der südlichen Insel Jolo traf der ehemalige Botschafter Libyens, Rajab Azzarouk, ein. Unterhändler Ghazali Ibrahim, der Sondervermittler Nur Misuari an die Seite gegeben worden war, brach zu einem ersten Treffen mit den Entführern der extremistischen Moslemgruppe Abu Sayyaf auf. Auch der philippinische Präsidentenberater Roberto Aventajado machte sich auf den Weg in den Süden. "Wir arbeiten so schnell wie wir können", sagte er. "Wir sind optimistisch", ergänzte Azzarouk.
Javier Solana, der am Dienstag in Manila eintraf, soll bei der philippinischen Regierung darauf drängen, nichts zu unternehmen, was das Leben der 21 Geiseln auf der Insel Jolo gefährden könnte. Solana traf an Bord einer Maschine der deutschen Bundesluftwaffe ein. Er wollte am Nachmittag Präsident Joseph Estrada treffen. Kontakte mit den moslemischen Geiselnehmern der Gruppe Abu Sayyaf sind nicht vorgesehen. Ein enger Berater Estradas betonte, Solana sei nicht in Manila, um als internationaler Vermittler zu handeln.
Die Bemühungen um eine Freilassung der schwer kranken Deutschen Renate Wallert gingen erfolglos weiter. "Die Gespräche (mit den Kidnappern) gehen gut voran, und wir hoffen, bald eine Übereinkunft über die Freilassung zu haben", sagte ein Unterhändler der Regierung am Dienstag. Auf der zum Sulu-Archipel gehörenden Insel Jolo hält sich ein Arzt bereit, falls die 57 Jahre alte Lehrerin das Urwaldversteck verlassen darf.
In Fernsehaufnahmen hatte man Renate Wallert mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einer Trage liegend sehen können. Andere Geiseln fächelten ihr Luft zu und gaben ihr zu trinken.
Entscheidung bis zum 25. Mai?
Der Staatsminister im Berliner Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, erwartet, dass spätestens am 25. Mai Bewegung in das Geiseldrama auf den Philippinen kommt. Im Westdeutschen Rundfunk sagte er am Dienstag: "Am 25. und 26. Mai findet der Kongress der Organisation islamischer Staaten statt, und es scheint so auszusehen, dass weder die philippinische Regierung noch andere wesentliche politische Kräfte ein Interesse daran haben, dass diese OIC-Tagung überschattet wird von Entführungen." Das Datum könne entscheidend werden, sei aber kein fixes Datum. Aus heutiger Sicht erscheine es auch noch relativ weit weg, sagte er.
Volmer dämpfte zugleich Erwartungen, der EU-Beauftragte Javier Solana könnte zu einem schnellen Ende der Geiselnahme beitragen. Solana sei lediglich als Ansprechpartner für die philippinische Regierung nach Manila gereist. Er habe kein Verhandlungsmandat, stellte er erneut klar. Man bemühe sich weiter, Renate Wallert freizubekommen, versicherte er. Derzeit seien die genauen Forderungen der Entführer immer noch unklar.