Philippinen Geiselnehmer entkommen dem Militär
Talipao/Johannesburg - Nach Militärangaben versuchten Soldaten am Samstag, die Geiselnehmer im Dschungel auf der Insel Jolo abzufangen. Die Behörden gingen davon aus, dass die Kidnapper der extremistischen Moslemgruppe Abu Sayyaf ihre Geiseln in ein neues Versteck in die Hügel um die Ortschaft Patikul bringen wollten. Bereits am Freitagabend hatte sich offenbar eine Gruppe der flüchtenden Geiselnehmer Gefechte mit Soldaten geliefert. Dem Militär zufolge gab es dabei keine Toten.
Gesandte der Regierung sind unterdessen wieder mit den Geiselnehmern in Kontakt getreten. Im Laufe des Samstags wollten die Vermittler nun auch formale Verhandlungen aufnehmen.
Nach Angaben des Chefunterhändlers der Regierung, Nur Misuari, wollen die Rebellen ihre Forderungen schriftlich darlegen. Es könne aber wegen der Zusammenstöße mit Regierungssoldaten zu Verzögerungen kommen. "Diese Leute sind auf der Flucht und suchen nach einem neuen Ort für ihre Geiseln", sagte er. "Für formale Gespräche brauchen wir ein Klima des Vertrauens." Nur Misuari bestätigte, dass Lebensmittel und Medikamente zu den Geiseln gebracht werden sollen.
Über die Absichten der moslemischen Extremisten besteht noch immer Unklarheit. Einem Radiobericht zufolge hatten die Rebellen gedroht, zwei ihrer Geiseln zu enthaupten, falls sich die Streitkräfte nicht zurückziehen. Nach Informationen der südafrikanischen Regierung haben die Geiselnehmer dagegen einem Unterhändler zu verstehen gegeben, dass sie niemanden töten wollten, weil es ihrer Sache schade.
Armee-Einheiten entdeckten unterdessen die Leichen zweier Männer, die von der Abu-Sayyaf-Guerilla während einer anderen Geiselnahme auf der Insel Basilan enthauptet worden waren. Die Moslemextremisten hatten am 19. April über einen lokalen Rundfunksender von den Enthauptungen berichtet, was die Regierung in Manila aber zunächst als Propaganda abtat. Das Militär hatte vor wenigen Tagen in einer Sturmaktion 15 Menschen aus der Gewalt der Rebellen befreit. Dabei waren vier Geiseln umgekommen.