Philippinen Treffen mit Geiselnehmern geplatzt
Jolo - Unterhändler Roberto Aventajado sagte, er habe vier Stunden lang vergeblich am vereinbarten Treffpunkt auf die fünfköpfige Abordnung der Geiselnehmer gewartet. Nun müsse ein neuer Termin in dieser Woche ausgemacht werden.
Nach Aventajados Worten standen nur zwei oder drei der Rebellen-Chefs für das Treffen zur Verfügung. Er habe aber darauf bestanden, dass alle fünf an den Verhandlungen teilnehmen. Letztlich sei dann keiner erschienen.
Es war das erste Mal, dass ein direktes Treffen zwischen Aventajado und den Anführern der Geiselnehmer stattfinden sollte. Frühere Verhandlungen wurden über Mittelsmänner geführt.
Die 21 Geiseln waren am Ostersonntag von der malaysischen Insel Sipadan auf die 960 Kilometer südlich der philippinischen Hauptstadt Manila gelegene Insel Jolo verschleppt worden. Neben dem Göttinger Ehepaar Wallert und ihrem Sohn sind neun Geiseln aus Malaysia, je zwei aus Frankreich, Südafrika, Finnland und von den Philippinen sowie eine aus dem Libanon in der Gewalt der Entführer.
Eine Zahlung von Lösegeld zur Freilassung der Geiseln lehnte der philippinische Präsident Joseph Estrada am Montag entschieden ab. Dies wäre ein deutliches Signal an die Welt, dass die Philippinen eine Heimstatt von Terroristen seien. Das wäre der sichere Weg, der Wirtschaft des Landes den Lebensnerv abzuschneiden und Investoren abzuschrecken.
Auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz verurteilte Estrada zugleich die jüngsten Bombenanschläge in der Hauptstadt Manila. Es handele sich um feige Akte von Terroristen, die Schrecken im Volk säen und die Regierung destabilisieren wollten. Estrada äußerte sich jedoch nicht dazu, wer hinter den Anschlägen stecken könnte. Armee und Polizei seien angewiesen, die Täter aufzuspüren und zu fassen. Der Notstand oder das Kriegsrecht brauchten dazu nicht ausgerufen werden. Die Verfassung gebe der Regierung genug Macht, den Terrorismus zu bekämpfen.
Am Sonntag war in einem Einkaufszentrum in Manila eine Bombe explodiert. Ein Mann wurde dadurch getötet, 14 weitere Personen wurden verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich niemand. In den vorangegangenen Tagen waren bei Anschlägen auf den Philippinen fünf Menschen getötet und mehr als 70 verletzt worden. Moslemische Rebellen kämpfen für einen unabhängigen Staat im Süden des überwiegend von Katholiken bewohnten Landes. Die Rebellengruppe Abu Sayyaf hat die 21 Geiseln auf Jolo in ihrer Gewalt.