"Pinkelaffäre" "Bild" droht dem Prinzen
Hannover/Hamburg - In der Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärte der Adelige am Mittwoch ausdrücklich, "dass ich mich zwar während meines Besuches auf der Expo 2000 in Hannover erleichtert habe, aber weder gegen eine Wand des türkischen Pavillons noch auf den Grund und Boden des türkischen Staates". Der "Bild"-Zeitung und dem Axel Springer Verlag warf der Prinz "manipulierte Sensationsberichterstattung" vor. Das Verlagshaus wies die Vorwürfe entschieden zurück.
Er behalte sich deswegen juristische Schritte vor, teilte "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel mit. Die "Bild"-Zeitung hatte mehrfach berichtet, Ernst August habe auf der Weltausstellung am 15. Juni gegen die Holzfassade des türkischen Pavillons uriniert. Das Blatt veröffentlichte zudem Fotos. Ferner soll der Welfenprinz in der "Pinkelaffäre" die Leiterin der "Bild"-Redaktion in Hannover mehrere Male persönlich beleidigt und bedroht haben.
In der "FAZ"-Anzeige bekundete Ernst August seine "Hochachtung" vor der Türkei: "Mit unseren Herzen sind meine Familie und ich große Freunde der türkischen Kultur und Ihrer Nation." Damit nahm der Prinz bereits zum zweiten Mal Stellung über eine Zeitungsanzeige. Im Januar hatte er in der "FAZ" sowie in ausländischen Blättern bestritten, auf der kenianischen Urlaubsinsel Lamu den Discothekenbesitzer Josef Brunlehner krankenhausreif geprügelt zu haben. Er sei "traurig über die einseitigen Berichte", ließ der Prinz damals veröffentlichen. Er räumte aber ein, dem Mann zweimal ins Gesicht geschlagen zu haben.
Inzwischen steht im Rechtsstreit zwischen Ernst August und dem Discothekenbesitzer eine Entscheidung unmittelbar bevor, wie die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte. Die Ermittlungen gegen Ernst August wegen gefährlicher Körperverletzung seien abgeschlossen, hieß es. Der Beschluss, ob Anklage gegen den Welfenprinzen erhoben wird, werde den Beteiligten in Kürze zugestellt.