Pisa Der Schiefe Turm bald gerade gerückt
Rom/Pisa - Vor zehn Jahren erschallten die Glocken in Pisa zum Zeichen der Trauer. Das Wahrzeichen Italiens, der Schiefe Turm von Pisa, wurde am 7. Januar 1990 für Besucher gesperrt. Jetzt beginnt die Schlussphase der spektakulären Rettungsaktion, 2001 soll der 58 Meter hohe Marmorturm wieder eröffnet werden, berichtete die italienische Zeitung "Corriere della Sera" am Freitag.
Am Ende werde der Turm um bis zu 40 Zentimeter aufgerichtet und damit "definitiv gerettet" sein, sagt der Chef des zuständigen internationalen Expertenkomitees, Michele Jamiolkowski. Das 800 Jahre alte Bauwerk hatte zuletzt eine bedrohliche Schräglage von fast fünf Metern erreicht. Schief wird er jedoch immer bleiben.
"Wir geben der Welt eines der wertvollsten Kunstwerke zurück", versichert Jamiolkowski. Der Turm werde nach Abschluss der Arbeiten "für drei Jahrhunderte" sicher sein. Allerdings soll die Zahl der Besucher eingeschränkt werden, auch sollen stets fachkundige Begleiter dabei sein.
"Wichtig ist, dass die Menschen wieder die 293 Stufen hinaufsteigen können", meint ein Fachmann. "Dieser Turm ist die Seele der Stadt", sagt der Historiker Rodolfo Bernardini. Einst habe er für die Seemacht Pisa einen imperialen Traum verkörpert.
Mit Metallringen um den Turm, tonnenschweren Gegengewichten aus Blei und schließlich Bodenabsenkungen an der Nordseite erzielten die Experten erste Erfolge. Das Monument richtete sich zunächst um 4,1 Zentimeter auf. Jetzt soll über 41 Bohrkanäle an der Nordseite weiteres Erdreich abgetragen werden. Die Rettungsaktion hat den Angaben zufolge bislang rund 20 Milliarden Lire (20 Millionen Mark) gekostet.
Allerdings neigt sich der berühmteste Turm Italiens, seit es ihn gibt. Schon 1174, ein Jahr nach Baubeginn, sackte er unter dem Gewicht des ersten Stockwerks ab. Um die Schräglage zu korrigieren, bauten die Architekten den Turm damals senkrecht weiter. Er ist daher in sich krumm.