Pazifik-Insel: Moderne Zeiten auf Pitcairn
48-Einwohner-Insel Pitcairn Homo-Ehe vorhanden, nur Heiratswillige fehlen
Pitcairn Island, ein Ort des Fortschritts: Auf der abgelegenen Insel im Pazifik ist ab sofort die Homo-Ehe erlaubt. Der stellvertretende Gouverneur der Insel, Kevin Lynch, sagte, das neue Gesetz sei bereits am 15. Mai in Kraft getreten. Wegen technischer Probleme mit der Insel-Website sei die Änderung aber zunächst nicht veröffentlicht worden. Wie üblich wurde die Neuerung auch per Aushang am Rathaus und im Inselladen verkündet.
Pitcairn genießt als Britisches Überseegebiet eine gewisse Unabhängigkeit. Der Rat der Insel hatte sich einstimmig für die Homo-Ehe ausgesprochen. Pitcairn orientierte sich mit dem Gesetz an England, Wales und Schottland, die die Homo-Ehe im vergangenen Jahr legalisiert hatten.
Derzeit leben 48 Menschen auf der Insel. Angesichts der überschaubaren Zahl zeigt sich nun: Unter den Bewohnern findet sich derzeit kein homosexuelles Paar, das heiraten will.
Homosexuelle, die heiraten möchten? Fehlanzeige
Meralda Warrens Familie lebt in siebter Generation auf Pitcairn. Die Einwohner der Insel hätten sich nicht explizit für das Gesetz stark gemacht, sagte sie. "Aber es ist wie alles andere in der Welt. Wenn es überall anders geschieht, wieso nicht?"
Sie kenne allerdings keine Homosexuellen, die heiraten wollten, sagte Warren. Sie könne sich nur an einen einzigen Mann erinnern, der sich geoutet habe. Das sei vor langer Zeit gewesen. Ganz abgesehen davon gebe es praktische Schwierigkeiten: Der einzige Priester der Insel sei Mitglied einer protestantischen Freikirche, die gegen die Homo-Ehe sei.
Für Rodney Croome von der Organisation Australian Marriage Equality ist das Gesetz trotzdem wichtig. Auch wenn es derzeit keine schwulen Pärchen auf der Insel gebe, sei es möglich, dass welche Pitcairn verlassen hätten und nun zum Heiraten zurückkehren würden, sagte er. Vielleicht empfänden manche Paare Pitcairn ja als romantisches Reiseziel - möglicherweise auch homosexuelle Australier, die in ihrem eigenen Land nicht heiraten dürfen.
Einwohner sind Nachfahren der "Bounty"-Meuterer
Die Bewohner Pitcairns stammen von Fletcher Christian und den übrigen Meuterern des englischen Kriegsschiffs "Bounty" ab, deren Geschichte Vorlage vieler Filme und Bücher war. 1790 gingen die Rebellen gemeinsam mit mehreren tahitianischen Frauen auf Pitcairn an Land und ließen sich dort nieder. Nachfahren der Meuterer zogen später auf nach Norfolk Island weiter.
Pitcairn versucht seit einiger Zeit, neue Bewohner anzulocken. Bislang blieb die Initiative aber erfolglos. Das mag auch damit zu tun haben, dass vor einigen Jahren das Bild vom romantischen Meuterer-Idyll von einem Missbrauchsskandal zerstört wurde. 2004 kamen Fälle von Kindesmissbrauch ans Licht, sechs Personen wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Unter ihnen: Steve Christian, Bürgermeister der Insel und direkter Nachfahre von Meuterei-Anführer Fletcher Christian.