Plutonium-Affäre: Deutliche Sicherheitsmängel und ein Haftbefehl - DER SPIEGEL
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Plutonium-Affäre Deutliche Sicherheitsmängel und ein Haftbefehl

Dass in der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Plutonium abhanden kam, hat ein politisches Nachspiel. Die Opposition im Stuttgarter Landtag nimmt Umweltminister Müller ins Visier. Gegen den mutmaßlichen Dieb wurde nun Haftbefehl erlassen.
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Stuttgart - In der Plutonium-Affäre hat das Amtsgericht Karlsruhe Haftbefehl gegen den 47 Jahre alten Mitarbeiter der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) erlassen. Das bestätigte am Dienstagabend die Staatsanwaltschaft. Der Mann wird des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen beschuldigt, es bestehe Verdunklungsgefahr. Seine 51-jährige Lebensgefährtin wurde dagegen auf freien Fuß gesetzt. Sie wird verdächtigt, das radioaktive Material in der Nähe von Landau unsachgemäß entsorgt zu haben.

Baden-Württembergs Umweltminister Ulrich Müller (CDU) räumte in der Affäre am Dienstag erstmals Sicherheitsmängel in der WAK ein und kündigte Konsequenzen an. Bei dem mutmaßlichen Diebstahl durch den 47-Jährigen handele es sich jedoch um einen "atypischen und einmaligen Fall", sagte Müller am Nachmittag.

Der Mann hatte nach Erkenntnissen der Polizei sowohl Wischtücher als auch ein Fläschchen mit Plutonium und anderen radioaktiven Substanzen unbemerkt durch die Sicherheitsschleusen des Werks manövriert. Gegen "perfides kriminelles Handeln, das Hand in Hand mit der Bereitschaft zu erheblicher Eigen- und Fremdgefährdung geht, gibt es keinen absoluten Schutz", sagte Müller. Allerdings habe er bis heute keine konkreten Anhaltspunkte zu den Motiven des mit Rückbauarbeiten betrauten Mannes. Eine Erpressung wollte er nicht ausschließen.

Der Verhaftete arbeitete in der Firma seines Bruders. Diese führte die Abrissarbeiten in der Anlage in Karlsruhe durch. In einem Interview mit dem Südwestrundfunk sagte Firmenchef Antonio Martins, sein Bruder habe ihn angelogen. Daraufhin habe er den Kontakt abgebrochen.

Der Minister betonte, die Sicherheit der seit 1990 stillgelegten Anlage liege zuerst bei der WAK und nicht bei der Aufsichtsbehörde Umweltministerium. Er kritisierte, dass es drei Monate gedauert habe, bis der Betreiber auf die starke Kontamination des 47-jährigen Arbeiters reagiert habe. Diese war bereits im März bei einer routinemäßigen Urinprobe festgestellt und erst bei einer weiteren Probe Anfang Juli bestätigt worden.

Die Stuttgarter SPD-Landtagsfraktion behält sich die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses vor. Auch die Landtags-Grünen schließen dieses letzte Mittel nicht aus, wollen aber zuvor Müller im Parlament befragen und eine Behandlung des Themas im Umweltausschuss erreichen. Die bisherige Informationspolitik ist aus Sicht der Landtagsopposition ungenügend. Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) nahm Müller gegen Vorwürfe der Opposition in Schutz. Er könne keine Versäumnisse erkennen.

Als Maßnahmen, um eine Wiederholung eines solchen Falles auszuschließen, nannte Müller baulich-technische Vorkehrungen und personell-organisatorische Maßnahmen. Auch werde untersucht, "ob die WAK im selben Maß wie bisher mit Fremdpersonal operieren kann". Er schloss nicht aus, dass von dem kontaminierten Mann und seiner ebenfalls verseuchten Freundin eine Gefährdung für die mit ihnen in Kontakt gekommenen Menschen ausgegangen sei. Der 47-Jährige und seine Lebensgefährtin waren am Montag vorläufig festgenommen worden.

Aus der WAK sind seit Jahren überdurchschnittlich viele so genannte meldepflichtige Ereignisse dokumentiert worden. Das geht aus den Jahresberichten des Bundesministeriums für Umwelt Naturschutz und Reaktorsicherheit hervor. Der Leiter der Sicherheitsabteilung der WAK, Helmut Hübner, wehrte sich gegen Vorhaltungen, die Abbruch- Arbeiter unterlägen anderen Sicherheitsstandards als die Arbeiter der WAK.