Politiker intim Schmetterlinge im Bauch
Breitschultrige, statushohe Beschützertypen sind bei Frauen erste Wahl. Zumindest im Unterbewusstsein. Davon sind Evolutionspsychologen fest überzeugt. Einen Begriff für diese im Lauf der Menschheitsgeschichte festgeschriebenen Vorlieben haben sie auch: Steinzeit-Psyche. Die reagiert quasi automatisch auf jene Vorzüge, die über Tausende Jahre wichtig waren, um die Art zu erhalten.
So gesehen müssten Peter Harry Carstensen, 57, die Weibchen der Spezies Mensch zu Füßen liegen. Denn er ist ein Hüne von Gestalt, Landesvorsitzender der schleswig-holsteinischen CDU, Spitzenkandidat für die nächste Wahl und überdies ein Jäger, wie er im Buche steht - ausgezeichnet mit der Goldenen Verdienstnadel des Deutschen Jagdschutzverbands.
Doch vor den Füßen des Politikers sieht es mau aus. Die Zeiten, in denen die Gleichung großer Jäger, große Auswahl immer aufging, scheinen dahin. Das muss auch Redakteuren von "Bild" bewusst geworden sein, als Carstensen in einem Hintergrundgespräch gestand, er würde sich "so gern mal wieder verlieben".
Die Sehnsucht des Politikers hat die Journalisten offenbar so bewegt, dass sie spontan beschlossen, ihm zu helfen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Schlie fand ebenfalls Gefallen an der Idee. Schließlich ist Carstensens Bekanntheitsgrad zwischen Nord- und Ostsee mit 67 Prozent nicht gerade berauschend. Das in den Mediengewittern des Wahlkreises Lauenburg gestählte PR-Talent Schlie und die "Bild"-Leute wurden schnell handelseinig.
Am Pfingstmontag empfing Carstensen Amors Sendboten zum Fototermin im nordfriesischen Nordstrand. Es entstanden Dokumente der Zeitgeschichte: Peter Harry beim Grillen, am Strand und - mit Dackelblick an einer Blume riechend - in der Horizontalen. Ein Pfundskerl als Polit-Pin-up. Kurz darauf erschien die Home- und Hormonstory auf Seite zwei des deutschen Zentralorgans für Steinzeit-Psyche. Unter der Überschrift "First Lady gesucht" wurde Carstensens Wunsch nach "Schmetterlingen im Bauch" publik. Auf einen bestimmten Frauentyp wollte sich der versierte Waidmann nicht festlegen: "Ich weiß nur: Das muss krachen, das muss Bautz machen." Die kostenlose Kontaktanzeige endete mit einem Versprechen: "'Bild' leitet alle Zuschriften und Fotos an Peter Harry Carstensen weiter."
Schon am nächsten Morgen meldete die Zeitung, dass sich der Rivale von Heide Simonis durchaus Hoffnung machen dürfe: "Einsamer CDU-Politiker hat schon die ersten Anfragen." Wer gefragt hatte, war tags drauf zu sehen: eine "passionierte Reiterin" namens Carmen, 40, ledig, die wusste, dass ein Mann in verantwortungsvoller Position "zu Hause einen Ruhepol" braucht, und von Carstensens Geschichte "gerührt" war.
Die Parteifreunde sind eher geschüttelt. Das Wort vom "Nordstrand-Bachelor" macht die Runde - in Anlehnung an jene Sendung, in der ein Jungbanker seine Liebste im K.-o.-Verfahren küren durfte. Karin Wiedemann, Chefin der Landes-Frauenunion, sorgte sich: "Es wird schwierig, die Wünsche des Menschen mit denen des Ministerpräsidenten Carstensen zu vereinen." Die tiefen Risse in der Nord-CDU, die zu kitten Carstensen bei seiner Wahl 2002 versprochen hatte, drohen wieder aufzubrechen.
Schon streuen lokale CDU-Größen ("Lassen Sie meinen Namen aus dem Spiel") Hinweise auf eine Rendsburger Kommunalpolitikerin, mit der er bis vor einem Jahr liiert gewesen sein soll. Sogar ein Hochzeitstermin habe bereits festgestanden. Dann sei Schluss gewesen - gerüchteweise wegen einer Neuen. Andere verweisen auf die Unruhe, die Carstensen schürte, als er kürzlich, gegen deutlichen Widerstand, drei Frauen auf die Landesliste für die Landtagswahl boxte. Jetzt auch noch die "First-Lady-Aktion" - und das alles bei stolzen Umfragewerten von 48 Prozent für die CDU gegenüber 31 für die SPD.
Dass der Spitzenkandidat jetzt beteuert, er habe das "so nicht gewollt", hilft wenig. Zumal sich in der vergangenen Woche bestätigte, was im deutschen Schlager schon seit Jahrzehnten als gesicherte Erkenntnis gilt: "Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern."
Nun endlich nähert sie sich jenem Mann, der sich so lange von ihr weiträumig umgangen fühlte - und das mit Macht. "153 Frauen wollen ihn haben", posaunten die "Bild"-Postillione am Mittwoch und präsentierten sechs weitere Kandidatinnen, in deren Bauch es "Bautz" gemacht hat.
Evi, 48, lockt mit Interesse für "Kochen, Garten, Kunst und Musik". Jutta, 50, ist "total unkompliziert und pflegeleicht" und darüber hinaus mit einer Power zum "Kuhstallausmisten" gesegnet. Nur "Schülerin" Dorette, 23, scheint in der Lage, noch andere Bedürfnisse zu befriedigen: "Ich spiele auch Klavier."
Dass Carstensen jetzt "alle Briefe persönlich beantworten" will, freut auch Monika Heinold, die Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen im Landtag - es halte ihn immerhin davon ab, "beim Regieren zu stören".