Polizeipsychologe "Auf den Erziehern lastet ein immenser Druck"
Frankfurt/Main/Luxemburg - Kleine Kinder sind nach Einschätzung eines Polizeipsychologen ausgesprochen schwierige Geiseln und kaum berechenbar. "Kinder als Geiseln sind sehr schwierig für Täter und Polizei. Sie reagieren oft sehr emotional und unerwartet. Dies erhöht deutlich den Druck auf Geiselnehmer und Polizisten in einer ohnehin schwierigen Situation", sagte Polizeipsychologe Peter Pfeiffer am Sonntag in einem Gespräch mit der dpa in Frankfurt am Main.
Geiselnahmen wie im luxemburgischen Wasserbillig mit Beteiligung von kleinen Kindern müssten daher von der Polizei mit allerhöchster Vorsicht angegangen werden. "Niemand kann voraussagen, was in einer solchen Lage passiert", sagte Pfeiffer, der an der Polizei- Fachhochschule im rheinland-pfälzischen Hahn (Rhein-Hunsrück-Kreis) als Psychologie-Dozent arbeitet. Sollten Kinder unruhig werden oder gar außer Rand und Band geraten, könne dies fatale Folgen haben. Ein Geiselgangster, der von langen Verhandlungen mit der Polizei übermüdet ist, könnte sich provoziert fühlen und unüberlegt reagieren.
"Insbesondere auf den Erzieherinnen lastet ein immenser Druck. Sie sind Mittler zwischen Geiselnehmer und den Kindern. Sie müssen alles tun, um beide zu beruhigen", beschrieb er die Situation. Den Frauen komme für die Kinder auch eine Vorbildrolle zu. Mit ihrem Verhalten könnten sie die Kinder positiv oder auch negativ beeinflussen. Je weniger Angst sie selber nach außen zeigten, umso größer sei auch die Chance, die Kinder im Zaum zu halten. "In einer solchen Lage herrscht allerdings meist Todesangst", erläuterte Pfeiffer.
Psychische Folgeschäden bei den Beteiligten könnten vor allem mit schneller Betreuung verhindert oder zumindest gemildert werden. "Das ist immer schwierig einzuschätzen. Die Geiseln müssen in jedem Fall umgehend nach Beendigung einer Geiselnahme betreut werden, um Spätschäden zu vermeiden", betonte der Psychologe.