Polizistenmord: Rache eines Geschwindigkeitssünders? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Polizistenmord Rache eines Geschwindigkeitssünders?

Der 41 Jahre alte Polizist, der während einer Radarkontrolle auf der A 4 bei Bad Hersfeld erschossen wurde, ist möglicherweise das Opfer eines Mannes gewesen, der mit zu hoher Geschwindigkeit geblitzt worden war. Die Polizei fertigte mittlerweile ein Phantombild des Täters an.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bad Hersfeld - Der Mörder täuschte möglicherweise eine Panne vor und erschoss dann den 41 Jahre alten Polizisten im Radarwagen auf der Autobahn A 4 aus nächster Nähe.

Der Polizeihauptmeister war auf der Autobahn zwischen Bad Hersfeld und Kirchheim von einem Schuss ins Herz getroffen worden. Sein Kollege erlitt Verletzungen am Arm. Die Kugel durchdrang den Oberkörper des Polizisten und schlug dann in den rechten Arm seines Kollegen auf dem Beifahrersitz ein. Ballistiker des hessischen Landeskriminalamtes haben die Untersuchungen aufgenommen, berichtete Einsatzleiter Rolf Becker. Zur Aufklärung des Mordes hat die Staatsanwaltschaft Fulda 10.000 Mark Belohnung ausgesetzt. Das teilte Staatsanwalt Wolfgang Göb in Bad Hersfeld mit.

Nach ersten Aussagen des verletzten 45 Jahre alten Polizeibeamten kam der Täter auf den Radarwagen zugelaufen und klopfte an die Fahrerseite. Der 41-Jährige kurbelte seine Scheibe herunter und fragte, was los sei, berichtete Einsatzleiter Becker. Der Mann, der etwa 55 Jahre alt sein soll, täuschte vor, Hilfe zu brauchen. Plötzlich riss er die Fahrertür auf und schoss.

Rund hundert Beamte durchkämmten seit Mittwochvormittag die Gegend in der Nähe des Tatorts und suchten nach Spuren. Der rechte Fahrstreifen in Richtung Süden wurde deshalb gesperrt. Am Dienstagabend waren bereits rund 150 Beamte aus ganz Hessen und Thüringen sowie ein Nachtflug-Hubschrauber mit Wärmebildkamera im Einsatz.

Eine Sonderkommission ermittelt mit Hochdruck. Die Polizei wertete den Radarfilm mit insgesamt rund hundert Wagen aus. Ergebnisse lagen aber noch nicht vor. Die Polizei sucht nach einem großen, hellen Auto, das kurz nach der Tat auf dem Randstreifen der Autobahn gesehen wurde. Von dem Täter erstellte die Polizei nach der Beschreibung des verletzten Beamten ein Phantombild. Er soll thüringischen oder sächsischen Dialekt sprechen und längere, leicht ergraute Haare haben.

Den Mord nannte Hessens Innenminister Volker Bouffier "einen feigen Anschlag". Der Beamte habe keine Chance gehabt, dem tödlichen Schuss auszuweichen. Auch der Vorsitzende der hessischen Polizei-Gewerkschaft, Jörg Stein, erklärte, ein solch brutales Vorgehen habe er noch nicht erlebt.

Bouffier versprach, seine Behörde werde die Familie des Opfers und den verletzten Polizisten unterstützen. Die an der Fahndung beteiligten Beamten sammelten am Mittwoch spontan Spenden für die Familie des Getöteten. Er hinterlässt eine Frau, einen 17-jährigen Sohn und eine 12 Jahre alte Tochter. Ein Seelsorger war am Dienstagabend im Einsatz, um der Familie beizustehen.