Porno-Stars feuern Soldaten an: Die Stunde der Patriotinnen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Porno-Stars feuern Soldaten an Die Stunde der Patriotinnen

Amerika ist gemeinhin ein prüdes Land, doch wenn sich die Jungs im Krieg befinden, kommt man mit Prüderie nicht weit. Das hat auch die Pornoindustrie erkannt, und so schicken leichte Mädchen den Soldaten heiße Grüße. Doch die Army lässt die guten Wünsche nicht nach Afghanistan durchdringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Dass Stars wie Jennifer Lopez oder Mariah Carey die US-Jungs an der Front besuchen, besingen und in knackigen Outfits den Truppen fern der Heimat Freude bereiten, ist nichts Neues. Solche Truppenbesuche gab es auch schon früher, von Marlene Dietrich zum Beispiel oder von Marilyn Monroe.

Nun zeigt auch Amerikas Sex-Industrie ihr großes Herz für die Soldaten, die fern der Heimat und der Familien gegen Terrorbanden oder Diktatoren kämpfen. Nach einem Bericht des amerikanischen TV-Senders Fox haben mehrere Porno-Darstellerinnen unter dem Label Sin City Films eine Video-Botschaft verfasst, in der sie den Soldaten ihre ganz persönlichen Grüße überbringen.

Etwa 30 Pornostars, die meisten davon in knappen Shorts oder nur in Unterwäsche, schicken so ihre mehr oder weniger lasziven Botschaften. "Hi, Jungs, ich liebe euch alle. Kämpft weiter", sagt eine mit Hotpants bekleidete Jessica ins Mikrofon. "Ich bin stolz eine Amerikanerin zu sein", erklärt eine andere junge Frau, deren rosa Bluse über der Brust nur durch ein Bändchen zusammengehalten wird. Und die dunkelhaarige Judy sagt: "Ich bin hier in Las Vegas, während ihr in Afghanistan für uns kämpft." "Kommt bald heim", wünscht sich Deborah mit der Quietschstimme. "Ich bin wahnsinnig stolz auf das, was ihr tut," sagt eine Blondine. Und eine junge Frau, die mit einem schwarzem Spitzen-BH bekleidet vor der Kamera steht, fasst den Sinn es Afghanistan-Einsatzes zusammen: "Jungs, ihr kämpft dafür, dass ich das tragen darf, was ich anhabe."

Bei so viel Patriotismus müsste es den Soldaten eigentlich warm ums Herz werden. Freilich, Geschäft ist eben Geschäft, nennen die Frauen auch ihre Internetadressen, auf denen gegen Gebühr Bilder heruntergeladen werden können. Doch das ist nicht einmal das Hauptproblem. Die aufmunternden Botschaften werden von offizieller Seite gar nicht gewünscht - zumindest sollen sie nicht im weltweiten Unterhaltungskanal der Army ausgestrahlt werden.

Scott Stein, der Marketingdirektor der Sin City Films, versteht die Ablehnung nicht: "Es ist lächerlich, dass dies überhaupt ein Thema ist. Das sind Amerikaner, die unsere Soldaten grüßen, genau wie andere Sportler oder Popstars auch." Die Idee zu dem Video sei ihm gekommen, weil gerade die Filmindustrie zu den Branchen gehöre, die von der amerikanischen Freiheit am meisten profitieren, sagt Stein. Damit die Soldaten fern der Heimat doch noch in den Genuss der Botschaften kommen, soll nun das Band umgeschnitten werden. Dann wird es vielleicht doch noch was mit dem Unterhaltungsprogramm in Afghanistan.

Jule Lutteroth