Porträt eines Mosaiks: "Zwei Paare in einer Gartenlandschaft" - DER SPIEGEL
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Porträt eines Mosaiks "Zwei Paare in einer Gartenlandschaft"

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Bremen - Das seit dem Zweiten Weltkrieg verschollene Bernsteinzimmer gilt als "achtes Weltwunder": 1716 schenkte Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. die kostbaren geschnitzten Wandtäfelungen aus baltischem Bernstein dem russischen Zaren Peter I. Erst 1775 ließ Elisabeth das Geschenk in den neuen Sommerpalast von Zarskoje Selo einbauen. Zur Einrichtung gehörten vier florentinische Mosaiken, die nicht aus Bernstein, sondern aus verschiedenen Marmorsorten und Halbedelsteinen bestanden. Deutsche Wehrmachtssoldaten erbeuteten 1941/42 Teile des Zimmers und brachten sie ins Schloss von Königsberg (heute Kaliningrad). Ein Großteil verbrannte dort bei Kriegsende, vermuten Kunsthistoriker.

Das 1997 in Bremen beschlagnahmte Mosaik-Bild ("Zwei Paare in einer Gartenlandschaft") kam jedoch nie in Königsberg an. Ein Bremer Wehrmachtssoldat hatte es wahrscheinlich während des Konvois gestohlen und als Fronturlauber nach Bremen gebracht. Dort erbte es der Sohn, der später Besitzansprüche geltend machen wollte. Sein Anwalt berief sich dabei auf "gutgläubiges Ersessen": Dieser Passus spricht von rechtmäßigem Besitz, wenn eine Sache länger als zehn Jahre zum Eigentum zählt.

Der Sohn und Erbe des 1978 gestorbenen Soldaten ist inzwischen selbst tot. Letzte Erbin ist seine Tochter. Sie trat jedoch gegen 200.000 Mark mögliche Besitzansprüche an die Bremer Handelskammer ab. Diese möchte das Bild in Absprache mit dem Bremer Senat und der Bundesregierung nach der russischen Präsidentenwahl im März zurückgeben. Im Gegenzug sollen 101 Bremer Kunstwerke von Russland wieder nach Bremen zurückkehren.

Kurioses am Rande des Prozesses: Das Land Berlin hat Mitte 1999 das Bild zum "national wertvollen Kulturgut" erklärt, obwohl es nie hoheitlich deutsch oder in Berlin war. Beim Versuch, das Bild zu verkaufen, waren Hintermänner laut Zeugenaussagen beim "Stern" abgeblitzt. Dort glaubte man jedoch nicht an die Echtheit. Auch ein Deal mit Coca-Cola platzte.