Porträt Lächeln im Schatten des Dauerkanzlers
Berlin - Ihr Leben an der Seite eines Spitzenpolitikers führte Hannelore Kohl auf traditionelle Weise. Im Unterschied zu Hillary Clinton trat sie politisch kaum in Erscheinung. Sie beschränkte sich auf repräsentative Aufgaben an der Seite ihres Mannes, der 16 Jahre lang deutscher Regierungschef war. Sie blieb bei Staatsbesuchen und bei Wahlkampfveranstaltungen dezent im Hintergrund, wenn sie ihn meist im Kostüm und mit festgesprayter Frisur und Dauerlächeln begleitete. Doch da, wo der übermächtige Kanzler nicht war, da sagte sie selbst von sich: "Ich bin aus dem Schatten meines Mannes herausgetreten."
Beispielsweise bei ihrem Engagement für Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen. Für sie gründete sie 1983 das Kuratorium ZNS. Im Laufe der Jahre trieb sie Millionen von Mark ein. Hannelore Kohl galt auf diesem Gebiet als sehr kompetent, Mediziner und Patienten respektierten sie.
Respekt wurde ihr besonders am Anfang ihrer Bonner Zeit nicht zuteil. Als Kohl in seinen ersten Amtsjahren noch viel Spott auf sich zog, galt sie an seiner Seite als "das blonde Dummchen vom Land". Dessen war sie sich bewusst, wie sie selbst sagte. Sie begann einen Panzer um sich aufzubauen, erschien meist als sehr starre Frau.
"Das übt sich", lautet ihre berühmte Antwort auf die Frage, wie man denn als Kanzlergattin bestehen könne. "Überlebenswichtig" war es, sich "im Fadenkreuz der Medien" richtig zu bewegen. Auf jedes Wort achten, immer vorzeigbar aussehen und vor allem im richtigen Moment den Mund halten - so beschrieb sie ihren selbst gewählten Verhaltenskodex. Es gelang, ihre beiden Söhne Walter und Peter weitgehend aus den Medien zu halten.
Zu ihrer Strategie gehörte es auch, sich anzupassen. "Anpassen ist für mich kein schlechtes Wort", sagte sie mit Blick auf ihren dominanten Mann. "Ich habe mich doch für diesen Mann entschieden", sagte die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, die vier Sprachen stenografierte und eigentlich gerne Naturwissenschaften studiert hätte. Sich darüber allzu viele Gedanken zu machen, nannte sie schlicht "müßig".
53 ihre 68 Lebensjahre verbrachte sie mit Helmut Kohl. Mit 15 lernte die gebürtige Berlinerin, die in Leipzig aufwuchs und durch den Krieg zum Flüchtling wurde, Kohl in Ludwigshafen kennen. Die Tanzstundenliebe wurde nach zwölf Jahren zur Ehe. Erst vor wenigen Tagen jährte sich der Hochzeitstag zum 41. Mal.
Nach der Abwahl Helmut Kohls als Bundeskanzler Ende 1998 zeigte sich Hannelore kaum mehr in der Öffentlichkeit. Ihre Lichtallergie, vor rund acht Jahren durch die Einnahme von Penicillin verursacht, hinderte sie daran, das Haus zu verlassen. Auch an der Hochzeit ihres Sohnes Peter in der Türkei vor ein paar Wochen nahm sie nicht teil. Sie lehnte es allerdings ab, sich als Leidende zu präsentieren, und sagte kürzlich in einem Interview, dass sie noch immer für ihre Stiftung arbeite.