Posträuber Biggs Flugzeug für Heimkehr gestartet
London - An Bord der Maschine ist Biggs' ehemaliger Kollege Bruce Reynolds, berichtete die britische Zeitung "The Sun". Das Boulevardblatt ist von Biggs gebeten worden, den Heimflug zu organisieren. Britische Konsularbeamte in Rio de Janeiro, Biggs' Wohnsitz, hätten auf Anweisung von Außenminister Robin Cook in aller Eile einen Pass für den 71-jährigen ausgestellt.
Biggs, der seit seinem dritten Schlaganfall nicht mehr sprechen kann, kritzelte auf ein Blatt Papier: "Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich jetzt endlich einen Pass bekomme, um nach Hause zu fliegen. Aber ich freue mich und bin sicher, das Richtige zu tun."
Sein Freund Reynolds sagte: "Ich habe ihn vor all den Jahren überredet, in die Bande zu kommen, und ich fühle mich jetzt verantwortlich für ihn. Das hier ist sein letztes Abenteuer, das letzte Kapitel seines Lebens, und es ist richtig, es in dieser Weise abzuschließen." Zur Feier des Tages trug Reynolds denselben Anzug, in dem er 1978 nach Verbüßung seiner Haftstrafe das Gefängnis verlassen hatte.
"The Sun" arbeitet nach eigener Aussage eng mit Scotland Yard zusammen. Bei der Ankunft von Biggs in Großbritannien werde die Polizei bereitstehen, um ihn festzunehmen. Reynolds bat Innenminister Jack Straw jedoch um Gnade für Biggs: "Mr. Straw, bitte haben Sie Mitleid mit einem alten Mann, der drei Schlaganfälle gehabt hat."
Straw hatte am Freitag mitteilen lassen, der 1965 aus einem Londoner Gefängnis ausgebrochene Posträuber müsse seine Haft fortsetzen. Aus Polizeiquellen war allerdings zu hören, der teilweise gelähmte Biggs könne in einem Gefängniskrankenhaus versorgt werden.
Biggs hatte Scotland Yard per E-Mail angekündigt, sich stellen zu wollen. Der gelernte Zimmermann war der Kopf der 15 Gangster, die im August 1963 den Nachtzug von Glasgow nach London ausraubten und mit 2,6 Millionen Pfund entkamen - damals etwa 28 Millionen Mark.
Die Räuber wurden einen Monat später gefasst, Biggs bekam 30 Jahre Gefängnis. Doch nach 15 Monaten konnte er mit einer Strickleiter ausbrechen. In Paris ließ er sich von einem Chirurgen sein Gesicht verändern und floh dann über Australien 1970 nach Brasilien, wo er seitdem lebt.