Präsidiales Schlafgemach: Saddam als Austin Powers - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Präsidiales Schlafgemach Saddam als Austin Powers

US-Soldaten durchsuchten Saddam Husseins Paläste Raum für Raum. Sie forschten nach Hinweisen auf den Aufenthaltsort des Diktators und Massenvernichtungswaffen, die Saddam versteckt haben soll.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bagdad - "Das muss Saddams Liebesnest gewesen sein", sagte Sergeant Spencer Williardson, als er den Reporter der Nachrichtenagentur AP in das kleine Stadthaus in einem noblen Stadtteil Bagdads führte. Was Journalist und Soldaten zu sehen bekamen, schien direkt den Träumen eines Playboys der 60er Jahre entsprungen.

Schnauzbärtiger Held rettet Blondine

Im Schlafzimmer mit dem marineblauen Teppichboden ist das Bett in einen Alkoven gebaut. An zwei Seiten erweitern Spiegel den Raum optisch. Die dritte Seite schmückt das Gemälde einer unbekleideten Blonden, die von einem grünen krokodilähnlichen Monster verfolgt wird. Zur Hilfe eilt ein schnauzbärtiger Held, der bereits mit einer Riesenschlage kämpft. Ein zweites Bild zeigt eine Frau, die an einen Wüstenfelsen gekettet einem Drachen entgegensieht, der auf geschärften Krallen auf sie zukriecht.

Captain Chris Carter vom 7. US-Infanterieregiment, der die Hausdurchsuchung leitet, kann bei dem Anblick nicht widerstehen, sich als Austin Powers Kopie zu versuchen. "Yeeeeah, Baaaabiiiiie", ruft er in den Raum, als sei er der Schauspieler Mike Myers in der Filmtriologie, die die James Bond-Filme der 60er Jahre auf die Schippe nimmt.

Gespeist wurde von königlichen Tellern

Das Fernsehzimmer ist mit hellblauen, rosa und gelben Kissen ausgelegt. Das Badezimmer ziert ein Whirlpool. Die Schränke sind fast leer. Ein Nachthemd, zwei Unterhosen und einen Bademantel - alles jeweils in Plastikbezüge verpackt - können die Soldaten finden. In der Hausbar stehen 20-jährige italienische Rotweine, teure Cognacs und schottische Whiskeys. Es sind jeweils die selben Marken, die die Amerikaner schon in anderen Häusern Saddams gefunden haben. Das Geschirr in dem Haus trägt das irakische Staatswappen, es werden aber auch Teller mit dem Emblem der kuweitischen Fürstenfamilie gefunden.

Als die Amerikaner das Haus für die Durchsuchungen auswählten, gingen sie davon aus, dass Saddams Geliebte Parisoula Lampsos dort einmal gelebt hat. Im Haus fanden sie aber nur Fotos des Diktators mit seiner Ehefrau Sadschida Khairallah Telfah. Die vermeintliche Bewohnerin Lampsos hat das Land schon im letzten Jahr verlassen und hat anschließend im amerikanischen Fernsehen ausführliche von ihrer Beziehung mit dem irakischen Präsidenten erzählt.

Umfangreiches Waffenlager

Waffen wurden in dem Liebeshaus keine gefunden. Eine Tür weiter jedoch waren die Soldaten erfolgreicher. In einem Haus, dessen Fenster alle vergittert sind, stießen sie auf eine Waffensammlung, mit der sich eine kleine Streitmacht ausrüsten lässt. 6000 Beretta-Pistolen, 650 Sig-Sauer-Pistolen, 248 Colt-Revolver, 160 belgische 7,65 mm-Pistolen, zwölf Kisten mit halbautomatischen Gewehren und vier Kisten mit Panzerfäusten sowie schwere Maschinengewehre waren in dem Haus gestapelt. Alle Waffen noch unbenutzt in Originalverpackungen und mit der mehreren tausend Schuss Munition.

Mehr lesen über