Presseschau: "Ein paar Knallkörper im Untergrund" - DER SPIEGEL
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Presseschau "Ein paar Knallkörper im Untergrund"

"Wir müssen lernen, den Terror zu ertragen", "hier geht es darum, den Kampf um die Köpfe zu gewinnen". Die Kommentatoren der deutschen Zeitungen ermahnen im "Krieg gegen den Terror" zur Besonnenheit.
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"Berliner Zeitung"

Der bundesrepublikanische Terrorismus der RAF ist in den siebziger Jahren durch eine Reihe von Verschärfungen des Straf- und des Strafvollzugsrechts bekämpft worden. Einige davon, zum Beispiel die Isolationshaft, haben auf Jahre für terroristischen Nachwuchs gesorgt. Besiegt wurde der Terrorismus der Wirtschaftswunderkinder dadurch, dass ihr Umfeld einsah, dass es sich dabei nicht um einen Verständnis erfordernden Fehler, sondern um die brutale Ausnutzung eines Gesinnungsliberalismus handelte, der aus Bequemlichkeit nur zu gerne davon ausging, dass der Schwächere erst einmal im Recht ist. Der islamistische Terror setzt auf dieselbe Karte. Wenn sie nicht mehr sticht, hat er verloren. Das aber erreicht man nicht durch "Krieg gegen den Terror". Der hilft einem, wenn man Territorien haben möchte. Hier aber geht es darum, den Kampf um die Köpfe zu gewinnen. Nicht nur die in Bagdad und Teheran, sondern inzwischen auch die in London, Paris und Kreuzberg.

"Westdeutsche Zeitung"

Die Absicht ist, Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie sind wie die sagenhafte Hydra, die Kämpfer gegen die Ungläubigen im Allgemeinen und die britischen Bagdad-Besatzer im Besonderen: Schlägt man einen ihrer neun Köpfe ab, wachsen zwei neue nach. Wir müssen uns drauf gefasst machen, dass es viele solcher Gruppierungen gibt - nicht nur an der Themse.

"Die Welt"

Auch wenn die neuerlichen Anschläge von London weniger zerstörerisch waren als die vor 14 Tagen sie sind bitterernst zu nehmen. Das war nicht nur Psychoterror abermals drei U-Bahnen und ein Bus, das war auch die Botschaft, dass der Feind zuschlagen kann, wo und wann er will. Die zweite Botschaft lautet, dass die Ordnungsmacht die Lage nicht perfekt beherrschen kann, dass Friedensappelle graubärtiger Imame den Attentätern gleichgültig sind und dass alle Bemühungen von MI.5 und MI.6 sie nicht beeindrucken. Diesmal waren sie so gnädig, nicht auf Massenmord abzuzielen, sondern es bei der Einschärfung dessen zu belassen, was sich seit dem 7.Juli ins Bewusstsein eingebrannt hat: dass die Gefahr überall lauert und der Tod in U-Bahnen und Bussen mitfährt.

"Saarbrücker Zeitung"

Der 7. Juli zeigte, wie nüchtern und gerade deshalb heroisch sich eine Stadt gegen den Terror wehrt. Der 21. Juli macht deutlich, wie leicht es für ein paar Wirrköpfe ist, Europas pulsierendste Metropole auszuhebeln. Ein paar Knallkörper im Untergrund, und schon geht nichts mehr. Mit dieser Gefahr müssen wir leben. Diese Gefahr gehört, zumindest in London, bereits zu unserem Alltag. Dabei darf eines auf gar keinen Fall passieren: dass wir ein Leben voller Misstrauen führen, jeden Rucksack-Touristen, jeden Muslim mit Gebetskappe unter Verdacht stellen. Nur eine offene Gesellschaft ist stark. Man darf ihre Toleranz nicht aufs Spiel setzen. Das würde den Fanatikern nur in die Hände spielen. Nein, es gibt keine Patentrezepte. Ein zu allem entschlossener Angreifer ist gegenüber den Verteidigern immer im Vorteil. Wir müssen lernen, den Terror zu ertragen, ihn auszuhalten, ohne unsere Werte blindlings über Bord zu werfen.