Pressestimmen: "Dies ist kein Kampf der Kulturen" - DER SPIEGEL
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Pressestimmen "Dies ist kein Kampf der Kulturen"

Es sei alles andere als ein Zufall, dass London Ziel der Terroristen gewesen sei, glaubt die "FAZ". In Wahrheit richteten sich die Attacken gegen die G-8-Staaten und ihre Wertegemeinschaft, glaubt das "Handelsblatt".
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"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

"Es ist der Zynismus des Zufalls, dass die Stadt, die am Tag zuvor noch über den Erfolg ihrer Olympia-Bewerbung jubelte, jetzt vom Entsetzlichen getroffen wurde und Trauer tragen muss. Ein Zufall ist es aber keineswegs, dass London zum Ziel eines Terrorangriffes wurde. In der Vielvölkerstadt haben nicht nur internationale Banken und Konzerne ihren Sitz, dort haben auch fast alle radikalen islamischen Gruppierungen der Welt eine Vertretung, zum großen Teil ganz offiziell, obwohl es in vielen Fällen kaum zu übersehende Verbindungen zur Terrorszene im 'größeren Mittleren Osten' gibt. Weil Blairs Britannien der engste Verbündete Amerikas im Irak ist, stand London seit langem weit oben auf der Liste der von islamistischem Terror bedrohten Städte."


"Stuttgarter Zeitung"

"Wer wie so viele Politiker in Washington und auch in London nur in militärischen Kategorien denkt, der wird jetzt nach noch größeren Militäretats, nach noch mehr Soldaten rufen. Aber diese nutzen nichts. Und es bringt auch nichts, Israel nachzuahmen und Mauern zu bauen, um sich von der Außenwelt abzuschließen. Der Westen lebt von seiner Offenheit und seiner Freiheit. Wenn die Terroristen es erreichten, dass der Westen seine Liberalität aufgäbe und in Ängsten versänke, hätten sie ihren Krieg gewonnen."


"Handelsblatt"

"Gemeint sind mit den Bomben von London eben nicht nur die offensichtlichen amerikanischen Verbündeten. Gemeint ist die Wertegemeinschaft der G8 und ihre Inhalte, um die es dort geht. Das ist das Perfide an den Anschlägen von London: Gerade als sich die Reichen dieser Erde endlich zu einer Kraftanstrengung in Sachen Armutsbekämpfung aufraffen wollen, schlägt der Terror zu. (...) Dies offenbart, wie weit der islamische Extremismus von abendländischen Begrifflichkeiten entfernt ist. Die Kluft, die sich hier auftut, ist schon lange mehr als nur ein großes Missverständnis. Das Ernüchternde ist: Wenn es schon keine Kommunikation geben kann, wie dann wenigstens Schutz? (...) Wir mögen zwar viele potenzielle Anschläge vereitelt haben. Doch im Prinzip steht der Westen noch immer vor dem ungelösten Problem, wie asymmetrische Gewalt von offenen Gesellschaften beantwortet werden kann."


"Kölnische Rundschau"

"Im mutmaßlichen Bekennerschreiben werden weitere Anschläge angekündigt: namentlich in Dänemark und Italien, aber auch in allen Ländern, die sich militärisch in Irak und Afghanistan beteiligen. Auch in Deutschland also darf sich niemand Illusionen über die Brisanz der Lage machen. Der Kampf für eine pluralistische, freie, tolerante Welt wird noch Jahre andauern und zahlreiche Opfer kosten. Soll er siegreich enden, muss er - anders als im Irak-Krieg - mit den richtigen Mitteln gegen den richtigen Feind geführt werden: nicht gegen beliebig zu Terroristen erklärte Lieblingsfeinde oder gar gegen die muslimische Welt, sondern gegen eine Gruppe weltweit operierender fanatischer Verbrecher, die unter Missbrauch einer Weltreligion ihre schändlichen Ziele verfolgt. Nicht, indem Menschenverachtung mit Menschenverachtung vergolten wird wie etwa in Guantanamo, sondern mit allen zur Verfügung stehenden völkerrechtlich legitimen, rechtsstaatlich angemessenen militärischen, polizeilichen und geheimdienstlichen Mitteln."


"Heilbronner Stimme"

"Dies ist kein 'Kampf der Kulturen'. Es sind Fanatiker, die sich religiös bemänteln und dem westlichen Wertesystem den Krieg erklärt haben. Sie werden leider noch immer von islamischen Hasspredigern gedeckt, denen in Europa nach wie vor mit naiver Toleranz begegnet wird. Die Wurzeln der Gewalt und des Geldes reichen dabei in den Iran und nach Saudi-Arabien, dessen Herrscherhaus inzwischen selbst Ziel der islamistischen Hydra ist. Hier muss der Anti-Terror-Kampf verstärkt ansetzen. Lippenbekenntnisse, dort wie hier, schützen die Menschen nicht."


"Mannheimer Morgen"

"Ohne jede Rücksicht ist erneut Trauer, Wut und Verzweiflung in völlig unbeteiligte Familien getragen worden. Es ist diese Mischung aus Hass und Gefühlskälte, die viele Menschen in tiefer Fassungslosigkeit zurücklässt. Dank moderner Kommunikationstechnik sind die Bilder des Grauens blitzschnell in alle Welt verbreitet worden. Auch deshalb wird die Gefahr, so einmal mehr die bittere Lektion, von vielen Menschen als allgegenwärtig empfunden. Und sie lässt sich niemals mit Sicherheit abwenden, wenn blindwütige, indoktrinierte und zu allem entschlossene Fanatiker, die selbst auf ihr eigenes Leben keinerlei Rücksicht nehmen, Tod und Vernichtung in die Reihen von Unbeteiligten tragen."