Pressestimmen Erinnerung an Eschede
"Bremer Zeitung" schreibt zur Zugkatastrophe in Brühl
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"Genau wie nach Eschede muss sich nach Brühl nicht nur die Bahn die Frage gefallen lassen, wie hoch die Belastungsspirale von Mensch und Technik noch getrieben werden soll. Die Deutsche Bahn AG will oder muss Milliarden einsparen und gleichzeitig ihr Image aufpolieren - auf Biegen und Brechen. Und um das zu erreichen, sollen jetzt unrentable Strecken durch Busverkehr ersetzt und rund 70.000 Mitarbeiter gefeuert werden. Letztlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Politik lockert den Druck der Wirtschaftlichkeit, oder aber sie investiert konsequent in die Sicherheit - und damit in die Zukunft - der Bahn. Was läge da näher, als die 6,1 Milliarden Mark, die immer noch für den Transrapid bereit gehalten werden, endlich für das Zukunftsprojekt "Sicherheit" auszugeben?! Die vielen, vielen Bahnkunden wären darüber sicher nicht unglücklich.
"Neue Osnabrücker Zeitung":
"Die Bilder erinnern unweigerlich an die Katastrophe von Eschede, das Ausmaß des neuerlichen Zugunglücks wäre um ein Haar ebenso verheerend gewesen. Und doch lassen sich diese beiden schwarzen Tage in der Geschichte der Deutschen Bahn kaum miteinander vergleichen. Vor dem Unglück von Eschede hatte es auf Seiten der Bahn unverzeihliche Nachlässigkeiten gegeben, in Brühl wurde die verhängnisvolle Entgleisung offenbar durch menschliches Versagen eines Einzelnen verursacht. Auf den Lokführer werden sich die Ermittlungen in den nächsten Tagen konzentrieren. Dabei brennen viele Fragen auf den Nägeln: Warum beschleunigte er den Zug wieder auf Tempo 122, obwohl die Geschwindigkeitsbegrenzung noch nicht aufgehoben war? Was hat einen möglichen Blackout dieses Mannes verursacht? Oder konnte er etwa gar nicht wissen, wie die Weiche am Unglücksort gestellt war? Reichten die Informationen nicht aus? Wurde der entscheidende Fehler im Stellwerk gemacht? Die Ungewissheit wirkt quälend.
"Freie Presse" (Chemnitz):
"Der Nimbus der Unverletzlichkeit und der technischen Ausgereiftheit, der die Hochgeschwindigkeitszüge der deutschen Bahn lange umgab, ist zu einem Großteil vor zwei Jahren in Eschede zerschellt. Teilweise ungeschicktes Verhalten der damaligen Bahnführung hat diese Krise noch verstärkt. Der neue Unfall nun trifft das Herzstück des Unternehmens, den alltäglichen Massenverkehr auf einer der am stärksten befahrenen Strecken Europas. Zudem sind Baustellen auf derart hochbelasteten Abschnitten fast ein Normalzustand. Brühl ist sozusagen der GAU des Zugalltags. Der Respekt vor den Opfern gebietet es, eine wirkungsvolle, durchgreifende Antwort auf die Frage nach dem Wieso und Warum zu geben. Ein Rückzug auf "menschliches Versagen", der immer leicht zu finden ist, wäre da zu wenig.