Prinz Charles Darf er, darf er nicht, darf er...?
London - Die Begegnung am Wochenende zwischen Camilla Parker Bowles, der langjährigen Geliebten von Prinz Charles, und der Königin bei einer Grillparty auf des Prinzen Landsitz Highgrove House brachte die Briten völlig aus dem Häuschen. Darf er oder darf er sie nicht heiraten, darüber stritten sich in den letzten Tage die Zeitungen.
Wenn es um die Familienangelegenheiten ihrer Monarchin geht, sind sich die Briten völlig uneins. Eine landesweite Befragung am Sonntag, ausgeführt von dem Boulevardblatt "The Mirror", ergab, dass 68 Prozent nichts gegen eine Heirat der beiden einzuwenden hätten. Camilla als Königin, das konnten sich allerdings nur 16 Prozent vorstellen. Als am Montag dann die Leser des "Mirror" noch einmal telefonisch in das Privatleben des Kronprinzen eingreifen sollten, sprachen sich 89 Prozent dagegen aus und gar 96 Prozent sagten, "der Rottweiler" solle niemals auf den Thron gelassen werden.
Auch die seriöseren Blätter gaben gut gemeinte Ratschläge. Ros Coward etwa schrieb im "Guardian", Charles solle den von ihm angerichteten Schaden wiedergutmachen und auf den Thron verzichten. "Er könnte ein herrschaftlicher Landwirt werden, von den Einkünften seiner 'königlichen Kekse' leben und mit Camilla in den Beeten von Highgrove tun, was er wollte." Libby Purves von der "Times" hingegen hielt die Zeit für gekommen, Camilla und Charles ziehen zu lassen und die Heirat zum Anlass zu nehmen, längst veraltete Gesetze zu ändern.
Für jeden Freund der Windsorschen Familiensaga wird dieser Tage eines deutlich: Die britische Öffentlichkeit hat sich seit dem Tode der gehetzten Prinzessin Diana, in deren Nachbeben die Beliebtheit der Royals dramatisch in den Keller gesackt war, wieder ihrer Königin zugewandt. Was immer die Öffentlichkeit gegen eine Heirat der beiden hat, die sich immerhin schon seit fast dreißig Jahren lieben - sei es die angebliche Ähnlichkeit von Camilla mit ihrem Lieblingsross oder die konstitutionelle Krise, die ihre Heirat heraufbeschwören würde, eines ist klar: Die Berater der Königin haben die ganze Angelegenheit sehr richtig behandelt.
Hinter dem so überraschenden Hofknicks von Camilla vor dem Grill in Highrove steckt in Wahrheit eine ausgetüftelte Propaganda des königlichen Hofes, mit dem Ziel, Camilla langfristig an der Seite von Charles leben zu lassen. Ein Freund von Camilla sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die Queen hat persönlich nichts gegen Camilla. Ihre öffentliche Ablehnung hat einzig und allein politische Gründe. Solange die öffentliche Meinung noch so stark hinter Prinzessin Diana steht, kann die Königin das nicht ignorieren." Bewusst wurden Berichte von einem Treffen zwischen Camilla und dem Erzbischof von Canterbury, George Carey lanciert, in dem der oberste Hirte seine Zustimmung zu einer Wiederheirat des Kronprinzen angedeutet hatte. Dies war ebenfalls ein königlicher Propagandacoup, um die öffentliche Meinung langsam in Richtung Camilla zu lenken.
Camillas Freund zu SPIEGEL ONLINE: "Obgleich der Weg für die beiden noch weit ist und Camilla vielleicht niemals Königin werden kann, ist es erstaunlich, wie sehr sich das Blatt seit dem Tod von Diana schon gewendet hat." In der Tat wäre es vor drei Jahren undenkbar gewesen, dass Charles je mit einer anderen Frau in der Öffentlichkeit auftaucht und schon gar nicht mit Camilla, der Diana einst vorwarf, sie hätte ihre Ehe zerstört.
Die Royals sind wieder da. Für Camilla und Charles geht es weiter auf dem steinigen Pfad der öffentlichen Meinung.