Proteste in Indien: Singh mahnt zur Ruhe - DER SPIEGEL
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Massenproteste in Indien Premier Singh verurteilt Vergewaltigung als "monströse Tat"

Erst schwieg Manmohan Singh tagelang, doch nach den heftigen Protesten gegen die Vergewaltigung einer Frau hat sich Indiens Ministerpräsident geäußert. Er sprach von einem "grässlichen Vorfall" - und mahnte seine Landsleute zur Ruhe. Die Demonstrationen gingen trotz Verbots weiter.
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Neu-Delhi - Die Proteste gegen die Vergewaltigung einer 23-jährigen Studentin in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi reißen nicht ab. Am Montag gingen die Unmutsbekundungen trotz eines Demonstrationsverbots im Regierungsviertel weiter. Angesichts der Proteste errichtete die Polizei weiträumige Straßensperren. Neun Metro-Stationen blieben geschlossen, berichtete die Nachrichtenagentur IANS. Das Treffen von Ministerpräsident Manmohan Singh mit Russlands Präsident Wladimir Putin wurde wegen der Proteste vom repräsentativen Hyderabad-Haus in die offizielle Residenz des Premiers verlegt.

Tausende bewaffnete Sicherheitskräfte bezogen an wichtigen Verkehrspunkten Stellung, um die Demonstranten an einem Marsch zum Präsidentenpalast zu hindern. Neu-Delhi sei in eine Festung verwandelt worden, schrieb die Zeitung "Times of India". Zahlreiche Demonstranten versammelten sich in der Nähe des Parlaments und forderten Gerechtigkeit für das Opfer des sexuellen Übergriffs.

Singh rief angesichts der gewaltsamen Proteste zur Ruhe auf. Der Regierungschef war zuletzt heftig dafür kritisiert worden, dass er sich lange nicht zu dem sexuellen Missbrauch einer 23-Jährigen durch mehrere Männer in einem Bus geäußert hatte. Nun nannte er die Tat ein "monströses" Verbrechen. Es gebe im Land "aufrichtige und berechtigte Wut und Angst wegen dieses grässlichen Vorfalls", sagte Singh in einer Fernsehansprache. Zugleich forderte er, der Ärger dürfe nicht in Gewalt umschlagen. "Ich appelliere an alle besorgten Bürger, Ruhe und Frieden zu bewahren." Er versicherte, es werde alles Erdenkliche getan, um Schutz und Sicherheit für Frauen im Land zu gewährleisten.

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Indien: Massenproteste gegen Vergewaltigung

Foto: Saurabh Das/ AP

Die Studentin war vor einer Woche von sechs Männern in einem Bus in Neu-Delhi vor den Augen ihres Freundes vergewaltigt und mit einer Eisenstange schwer verletzt worden. Laut Polizei waren die Täter betrunken und hatten den nicht in Betrieb befindlichen Bus mit getönten Scheiben ergriffen, um damit umherzufahren. Sie ließen das ahnungslose Paar einsteigen, das dachte, es handle sich um einen regulären Bus. Nach der Tat warfen die Täter das Paar aus dem fahrenden Bus. Die junge Frau befindet sich weiter in einem kritischen Zustand. Die Täter befinden sich in Haft.

Am Wochenende war bei Massenprotesten in Neu-Delhi die Lage eskaliert. Trotz eines Versammlungsverbots im Zentrum von Neu-Delhi lieferten sich Demonstranten und Sicherheitskräfte am Sonntag den zweiten Tag in Folge heftige Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, sie machte Unruhestifter für die gewalttätigen Auseinandersetzungen verantwortlich. "Der friedliche Protest des Volkes ist von Randalierern übernommen worden", sagte ein Polizeisprecher. In der Hauptstadt seien am Sonntag mehr als hundert Menschen verletzt worden, darunter 60 Polizisten. Im Nordosten des Landes wurde ein Fernsehjournalist bei einem Protest gegen einen weiteren sexuellen Übergriff erschossen.

wit/AFP/Reuters/dpa/dapd